Was du immer schon wissen wolltest über Germanen

FAQ Germanen

Zuerst eine kleine Anmerkung unsererseits:
Wir haben uns dazu entschieden, im Folgenden den Begriff “Germanen” im maskulinen Plural zu lassen. Es handelt sich um einen Begriff, der in der Forschung und Gesellschaft verwendet wird, wobei er eigentlich immer auf eine nicht konkrete Gesamtheit oder Gruppe germanischer Menschen abzielt. Außerdem ist der Begriff natürlich mit verschiedensten Vorstellungen aufgeladen, an denen wir uns in den Fragen orientiert haben. Nachteilig ist dabei, dass die Germaninnen sprachlich nicht in dem Wort beinhaltet sind – wenn es jedoch um spezifische Geschlechterfragen geht, werden wir selbstverständlich die jeweiligen richtigen Formen verwenden. Leider ist der männliche Plural ebenfalls insofern passend, als dass sowohl die antiken Quellen als auch sehr viele Forschende der letzten Jahrhunderte ihren Fokus vor allem auf die germanischen Männer gelegt haben.
Außerdem verwenden wir hier bei Datierungen nicht die Begriffe ‘vor Christus’ und ‘nach Christus’, sondern ‘vor unserer Zeitrechnung’ (v. u. Z.) und ‘unserer Zeitrechnung’ (u. Z.). Das soll keine DDR-Nostalgie sein, sondern dem Bestreben einer säkularisierten Forschung zutragen (vgl. Schreiber 2018, 19, Anm. 9).

Die germanischen Stämme sind neben den Kelten die ersten mitteleuropäischen Bevölkerungsgruppen, über die schriftliche Nachrichten überliefert sind. Insbesondere in Deutschland, aber auch z. B. in den skandinavischen Ländern, ist die Faszination und das Interesse an den Germanen seit mehr als hundert Jahren sehr groß und auch eng verbunden mit der historischen Entwicklung dieser Staaten.
Hier soll es darum gehen, eben jenem Interesse gerecht zu werden. Uns ist seit längerer Zeit aufgefallen, dass sowohl im Internet als auch im Fernsehen und in Print-Medien beim Thema “Germanen” oft Halbwahrheiten, Klischees oder auch völlig veraltete Vorstellungen wiedergegeben werden.

Daraus entwickelte sich die Idee für dieses FAQ (Frequently Asked Questions, häufig gestellte Fragen): anhand der in den genannten Bereichen am meisten thematisierten Fragen bzgl. Germanen soll hier sowohl Laien bzw. Nicht-Spezialist*innen als auch Fortgeschritteneren ein Überblick ermöglicht werden. Wichtig waren uns dabei einerseits eine möglichst aktuelle Darstellung des Forschungsstandes und andererseits auch das Aufzeigen von methodischen und ideologischen Problemen. Und um nicht die Leute abzuschrecken, die z. B. kein Archäologiestudium absolviert haben, geben wir zu jeder Frage auch stets eine kurze Antwort (die dann natürlich auch weniger Informationen und Problematisierungen enthält). Wer sich dann vertiefen möchte, kann sich die ausführlichere Antwort durchlesen, die zudem weiterführende Verweise umfasst.
Zuletzt seien noch zwei Punkte angeführt: erstens muss betont werden, dass entsprechend der Natur der Wissenschaft einige Sachverhalte umstritten bzw. unklar sind und dass wir hier auch keineswegs den Anspruch erheben wollen, zu jedem Themengebiet den aktuellen Forschungsstand kritisch wiedergeben zu können – Ziel soll es sein, einen Überblick über die relativ sicheren Ergebnisse über die Germanen und an einigen Stellen noch weiterführende Spotlights zu aktuellen Forschungsfragen zu bieten. Zweitens beschränken sich die Fragen und Antworten weitestgehend auf die Germanen während der Römischen Kaiserzeit, auch wenn natürlich die Großgruppen und frühen Staaten der Völkerwanderungszeit teilweise ebenfalls als germanisch bezeichnet werden.

 

Wer waren die “Germanen” – wann und wo lebten sie?

Kurze Antwort

Unter Germanen versteht man die Träger*Innen der Kultur im nicht römischen Mittel-, Zentral- und Nordeuropa während der Römischen Kaiserzeit (jedoch können auch die Stämme der späteren Völkerwanderungszeit als germanisch bezeichnet werden). Die Epoche lässt sich zeitlich ca. auf 0-375 u. Z. festlegen.
Über die Germanen sind durch antike Autoren einige “Stämme” überliefert. Jedoch können diese archäologisch nicht nachgewiesen werden. Das heißt, obwohl natürlich Siedlungen und Bestattungsplätze in großer Anzahl bekannt sind, lässt sich anhand der Funde und typischen Formen nicht sagen, zu welchem Stamm diese Germanen gehört haben. Die Archäologie teilt die Germanen entsprechend ihrer leicht verschiedenen Sachkulturen in größere Gruppen ein (s. Karte).
Entstanden ist die germanische Kultur durch verschiedene eisenzeitliche Einflüsse, z. B. keltische. Auch die Römer beeinflussten die Entstehung der germanischen Gruppen. Das Ende der kaiserzeitlich-germanischen Epoche ist der Übergang zur Völkerwanderungszeit, also ca. das Ende des 4. Jh.

Lange Antwort

Wie einführend angemerkt, wollen wir uns im Folgenden mit der Epoche der Römischen Kaiserzeit im nicht römischen Germanien beschäftigen. Räumlich befinden wir uns grob im mittel-, nord- und zentraleuropäischen Gebiet. Die westliche Ausdehnung reicht bis zum Rheinland, südlich kann die Donau als ungefähre Grenze angesehen werden. Im Norden umfasst das Gebiet ganz Skandinavien. Etwas unklarer ist der Fall am östlichen Rand – ungefähr reicht die Ausdehnung hier bis Mittelpolen, Tschechien und Teile Ungarns.
Nun zur zeitlichen Dimension: allgemein kann die zu betrachtende Epoche ungefähr in die Zeit zwischen 1 und 375 u. Z. gesetzt werden, wobei vor allem bzgl. des Endes viel diskutiert werden kann, da diese Grenze vom postulierten Beginn der Völkerwanderungszeit abhängig ist. Die Epoche wird in der deutschsprachigen Forschung meistens Römische Kaiserzeit genannt, auch im nicht römischen Europa, seltener gibt es Bezeichnungen wie z. B. provinzialrömische Zeit. In Skandinavien hingegen wird hauptsächlich von der Römischen Eisenzeit gesprochen.
Nun fokussiert die obige Frage explizit die Menschen – doch wer waren diese “Germanen”. Eine einfache Antwort wäre: die Mitglieder der Stämme, die im oben genannten Raum zu oben genannten Zeit lebten. Für diese Stämme sind die Germanen sehr bekannt, da wir dank antiker Autoren eine Vielzahl der Stämme namentlich kennen, wie z. B. die wichtigen Stämme der Angeln, Chatten, Cherusker, Hermundurer, Kimbern, Langobarden, Markomannen, Quaden oder Sueben. Hierbei handelt es sich um die ersten schriftlich bezeugten Herrschaften im mitteleuropäischen Raum neben den süd- und westdeutschen Kelten, die als erstes bei Caesar schriftlich erwähnt werden später dann bei Tacitus und anderen Schriftstellern, wie Velleius Paterculus.
Jedoch entspinnt sich bei den Stämmen ein großes Forschungsproblem. Archäologisch lassen sich diese vielen einzelnen Stämme, von denen durch die Quellen teilweise auch die Siedlungsräume überliefert sind, nicht nachweisen. Stattdessen konnten seit Anfang des 20. Jh. mehrere großräumige Gruppen anhand der materiellen Kultur differenziert werden: Rhein-Weser-Germanen, Nordseegermanen, Elbgermanen und seltener auch Odergermanen sowie eine böhmische Gruppe. Es handelte sich um große Gebiete mit relativ einheitlicher Sachkultur, sodass hier großflächige Kommunikations- und Handelsräume anzunehmen sind. Die rhein-weser-germanische Gruppe bildete sich nach der augusteischen Expansionszeit am Anfang des 1. Jh. u. Z. (s. 9.) aus, und zwar in dem Gebiet, in welchem die Römer zuvor am aktivsten waren. Da vorher in diesem Raum keine einheitliche Kultur vorhanden war, wird eine Konsolidierung dieser Kulturgruppe durch den (indirekten) römischen Einfluss vermutet. Die elbgermanische Gruppe hingegen ist bereits einige Jahrzehnte vor den Rhein-Weser-Germanen fassbar. Diese verschiedenen archäologischen Gruppen, die nichtsdestotrotz viele Gemeinsamkeiten aufweisen, blieben ab dem Ende des 1. Jh. bis zum 3./4. Jh. weitestgehend stabil bestehen (es gab jedoch räumliche Verschiebungen).
Das skizzierte Problem ist also, dass sich der archäologische Kulturbegriff im engeren Sinn nur auf die materielle Kultur bezieht und die Träger*innen zu Kulturgruppen zusammenfasst. Auffällig ist dabei, dass diese archäologisch fassbaren Gruppen stets großräumiger als die schriftlich überlieferten Stämme waren und ebenfalls die späteren Großstämme nicht deckungsgleich mit den Kulturgruppen waren. Wichtig ist außerdem, dass die Sachkultur im engeren Sinn keine sicheren Rückschlüsse auf Ethnizität oder Stammesangehörigkeit zulässt. Dieses Problem ist bis jetzt nicht befriedigend lösbar, obwohl es extrem viele Theorien, Modelle und Vermutungen diesbezüglich gibt. Abschließend ist zu den Stämmen zu betonen, dass sich vor allem in der Zeit zwischen ungefähr 50 v. bis 50 u. Z. entsprechend der römischen Quellen insbesondere im Rheinland einige Stämme als politische Entität aufgelöst haben und sich neue durch Zusammenschlüsse und Umsiedlungsmaßnahmen (durch Römer) bildeten.
Blendet man diese althistorischen Informationen aus, stellt sich dem*der Archäolog*in bei einer Kultur immer die Frage der Genese. Wie bereits angedeutet, gab es vor allem im Kontaktbereich der ‘Frühgermanen’ mit den Kelten (Rheinland) im 1. Jh. v. u. Z. eine große kulturelle Dynamik, die zum einen durch Bevölkerungsverschiebungen in Mittel- und Osteuropa und zum anderen durch die römischen Eingriffe (hauptsächlich durch Caesar) verursacht wurden. Im rhein-weser-germanischen Gebiet ist ein starker Einfluss keltischer Kultur zu fassen, der sich u. a. in Kontinuitäten von Gefäß- und Verzierungsformen zeigt. Im elbgermanischen Gebiet entwickelten sich die Stammessysteme vermutlich bereits während der Jastorf-Zeit (ca. 500-0 v. u. Z.), sodass ohne radikalen kulturellen Wandel der Übergang zur frühen Römischen Kaiserzeit geschah (ebenfalls gab es Kontinuitäten bei der Bestattungssitte, bei Gefäßformen u. a.).

Des Weiteren gab es Ende 1. Jh. v. – Anfang 1. Jh. u. Z. im östlichen rhein-weser-germanischen Raum stärkere elbgermanische Einflüsse durch eine Migration entsprechender Gruppen nach Thüringen (sog. Großromstedter Horizont). Natürlich gibt es auch die Sprachforschung, welche versucht germanische Sprachfamilien und die Entwicklung der indogermanischen Sprachen nachzuvollziehen, um die Genese der Germanen zu beleuchten. Da hier aber der Schwerpunkt auf der Archäologie liegen soll und für die Forschung zudem aus der hier interessierenden Epoche – bis auf wenige Namen und Eigenwörter – keine genuin germanischen Sprachzeugnisse überliefert sind, wird die Sprachforschung im Folgenden nicht näher behandelt.
Die innere Chronologie der Epoche wurde hauptsächlich von Hans Jürgen Eggers 1951 begründet und ist auch heute noch, trotz kleinerer Abänderungen, weitestgehend anerkannt. Er teilte die Epoche in die frühe Römische Kaiserzeit (Stufe B), die aktuell auf 0-180 u. Z. datiert wird, und die späte Römische Kaiserzeit (Stufe C) ein. Eggers setzte den Übergang (B2/C1) zwischen beiden Stufen noch auf ca. 150, wobei er heutzutage eher auf um 180 festgelegt wird. Der Übergang äußerte sich ab der Mitte des 2. Jh. durch eine zunehmende Dynamik im Inneren Germaniens (die Ursachen sind unklar), infolgedessen die Markomannenkriege (166-180) unter Marcus Aurelius geführt wurden. Archäologisch zeichnet sich die Umbruchphase durch viele Diskontinuitäten an Siedlungs- und Bestattungsplätzen und veränderter Sachkultur ab. Eliten benutzten ihre Nekropolen nicht mehr, sodass von einem Wandel der politischen Machtverhältnisse ausgegangen wird. In der Phase C, die ca. bis 375 datiert werden kann, wobei diese Grenze von Gebiet zu Gebiet und Forscher*in zu Forscher*in stark schwankt, lassen sich neue Macht- und Siedlungszentren vor allem im Thüringer Raum/Saalegebiet und im Main-Neckar-Raum nachweisen, die Teil einer insgesamt fassbaren südwärts gerichteten Dynamik waren. In der späten Römischen Kaiserzeit nahm außerdem die Anzahl römischer Objekte in germanischen Kontexten zu und die Körper Bestattungssitte (die zunächst den Eliten vorbehalten war) löste allmählich die Brand Bestattungssitte ab. Es wird häufig vermutet, dass sich in dieser Stufe großräumige Herrschaftsbereiche und somit potentielle Heere etablieren konnten, die die Grundlage für die späteren Heerführer mit ihren Gefolgschaften in der Völkerwanderungszeit bildeten.
Das Ende der Römischen Kaiserzeit stellt den Übergang zur Völkerwanderungszeit dar. Mit dem sukzessiven Niedergang des Imperium Romanum traten gleichzeitig immer mehr spätgermanische Großstämme ins Licht der historischen Überlieferung (z. B. Alamannen, Goten, Burgunder, Thüringer, Vandalen). Jedoch ist hier kein Platz, um zu diskutieren, ab wann diese Gruppen nicht mehr als germanisch bezeichnet werden können bzw. sollten.

Verweise:
Carroll 2003
Eggers 1951
Hachmann u. a. 1962
Meyer/Moosbauer 2013
Nüsse 2013
Peschel 1978, 27-43

Was steckt hinter dem Begriff “Germanen”?

Kurze Antwort

Bei dem Begriff “Germanen” handelt es sich um eine Fremdbezeichnung durch die Griechen und Römer. Bis heute konnte nicht abschließend geklärt werden, woher das Wort stammt und was es vom Wortsinn her bedeutet.
Über die antiken Schriftquellen können wir aber dennoch nachvollziehen, was mit dem Begriff in der Antike gemeint war: “Germanen” waren für die Römer wilde, große und ehrenhafte Barbaren, die rechts des Rheins in Stämmen lebten. Wichtig ist jedoch, dass diese Beschreibungen kaum die Wirklichkeit wiedergeben, sondern dazu dienten, die Germanen als Feinde und die Römer als kulturell überlegen darzustellen.

Lange Antwort

Würde man die Kulturgruppe der Germanen nach prähistorischer Namensgebung benennen, würde vielleicht ein Begriff wie “Schalenurnenkultur” herauskommen. Jedoch liegt uns ein antiker Name vor – doch was bedeutet der Begriff “Germanen” eigentlich?
Zunächst ist ausschlaggebend, dass es sich um eine Fremdbezeichnung handelt. Es gibt keine Belege dafür, dass die von den Römern und Griechen als Germanen bezeichneten Gruppen sich selbst ebenso einen einheitlichen Namen gegeben haben. Dementsprechend müssen wir diese antiken Quellen betrachten, um uns der ursprünglichen Begriffsbedeutung zu nähern.
Der älteste Beleg für die Bezeichnung “Germanen” findet sich bei Poseidonios, der sie allerdings noch als Teilgruppe der Kelten verstand. Ausführlicher wird der Begriff erst von Caesar genutzt und definiert (De bello Gallico, um 50 v. u. Z.). Er musste sich mit den Germanen auseinandersetzen, um sie als potentielle Feinde bzw. Verbündete besser zu kennen und zu verstehen – und nicht zuletzt um seinen Feldzug gegenüber dem Senat zu legitimieren. Julius Caesar nahm die Germanen als erster Autor nicht als keltisch wahr, sondern als eigenständige “Ethnie” (Kultur und Ethnizität war bei den meisten antiken Autoren gesetzmäßig miteinander verknüpft). Geographisch verortete Caesar den germanischen Siedlungsraum rechts des Rheins bis zum Weltmeer, sodass der Rhein als Grenze zwischen Kelten und Germanen gedacht wurde (dies war wichtig für seine Pläne in Gallien, da er so das zu erobernde Gebiet fest definierte). Da er jedoch vor Ort feststellte, dass auch links des Rheins germanische Gruppen lebten, erläutert er, dass diese durch frühere Migration dorthin gekommen seien (er differenziert Germani transrhenani und cisrhenani). Dieses Germanenbild fand Verbreitung im römischen Reich und prägte die antike Vorstellung über die Germanen nachhaltig.
Am umfangreichsten behandelt allerdings Tacitus in seinen Werken (vor allem die Germania) die Germanen.

Er weiß bspw. dies zu berichten:

“Die Bezeichnung Germanien sei übrigens neu und erst vor einiger Zeit aufgekommen. Denn die ersten, die den Rhein überschritten und die Gallier vertrieben hätten, die jetzigen Tungrer, seien damals Germanen genannt worden. So habe der Name eines Stammes, nicht eines ganzen Volkes, allmählich weite Geltung erlangt: zuerst wurden alle nach dem Sieger, aus Furcht vor ihm, als Germanen bezeichnet, bald aber nannten auch sie selbst sich so, nachdem der Name einmal aufgekommen war.” (Tac. Germ. 2,6)

Auch wenn diese Erklärung vermutlich nicht korrekt ist, verdeutlicht sie dennoch, dass ebenso die antiken Schriftsteller nicht genau wussten, woher der Name etymologisch stammte. Gleichermaßen ist es heutzutage umstritten, ob der Begriff künstlich erfunden oder aus der germanischen Sprache abgeleitet wurde.
Nichtsdestoweniger kann die antike Bedeutung des Begriffs dank Tacitus detailliert nachgezeichnet werden. Publius Cornelius Tacitus wurde 56/57 u. Z. geboren und starb um 120. Seine Germania hat er wahrscheinlich um 100 verfasst, wobei unklar ist, welche Motive er dabei hatte Dies kann also nur anhand des Textes vermutet werden. Er beschreibt die Stämme einzeln und stellt fest, dass es viele Unterschiede zwischen ihnen gibt, gemein sind ihnen der wilde Charakter, einige Gottheiten und religiöse Vorstellungen (s. 6.) sowie die Lebensweise.

Auch andere antike Autoren verstanden die Germanen hauptsächlich als barbarische (d. h. nicht-zivilisierte) Stämme, die östlich des Rheins lebten. Diese Zuschreibungen sind natürlich stark verklärt sowie topisch, d. h. einem festen voreingenommenem Bild bzw. Schema folgend, und dienen bei jedem Autor einem bestimmten Zweck. Meist war das Ziel ein Feindbild bzw. Klischee über die ‘Anderen’ zu erzeugen, um das eigene stereotype Selbstbild herauszustellen. Charakterlich wurden sich die Germanen wild, triebhaft, teilweise sogar tierisch, aber auch ehrenhaft vorgestellt. Diese Eigenschaften wurden mit dem Einfluss des wilden und gefährlichen Naturraums erklärt. Da spätestens ab der mittleren Kaiserzeit viele Menschen germanischen Ursprungs höhere Ämter einnahmen, Bürgerrecht erhielten und sich als Römer identifizierten, hätten die Autoren wissen können, dass diese Klischees zum Großteil nicht zutreffen – sie hatten demnach wenig Interesse, die Wirklichkeit zu beschreiben.
Zusammenfassend zeigt sich also, dass das griechisch-römische Verständnis von den Germanen immer differenzierter und realistischer wurde, je länger die Griechen und Römer in Kontakt mit jenen standen.
Heutzutage werden mit “Germanen” die Trägerinnen und Träger der germanischen Sachkultur während der Römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit bzw. diejenigen, die der germanischen Sprachfamilie angehörten, gemeint (s. 1.).

Verweise:
Günnewig 1998, 25-28, 116-120
Lund 1991, 1876 f.
Timpe 1995, 71-73

Wie lebten die “Germanen”?

Kurze Antwort

Die Germanen lebten in großen Wohnstallhäusern, die aus Holz errichtet wurden. Dort lebten sie unter einem Dach mit dem Vieh. Außerdem gab es Speicherbauten, Grubenhäuser, Brunnen und Zäune. Jede Großfamilie hatte ein Gehöft, welches aus einem Wohnstallhaus und mehreren Nebenbauten bestand und von einem Zaun o. ä. begrenzt wurde. Eine Großfamilie bestand mindestens aus drei Generationen und es konnten noch weitere Verwandte dazu gehören, sodass eine durchschnittliche Personenanzahl von 10 bis 15 angenommen werden kann. Jede Siedlung bestand aus unterschiedlich vielen Gehöften, jedoch waren es nie mehr als zehn und es gab auch keine öffentlichen Gebäude.
Ihre Versorgung bewerkstelligten die Germanen hauptsächlich durch Ackerbau und Viehwirtschaft. Außerdem gibt es Belege für Metallverarbeitung, Textilherstellung, Töpferei, Knochenbearbeitung u. a. Des Weiteren war der Handel mit den römischen Provinzen sehr wichtig: römische Metalle, Luxuswaren, Geschirre und Nutztiere wurden mit Honig, Fellen, Bernstein, Haar und Sklav*innen getauscht.
Wichtig ist, dass die Germanen nicht nur Krieg führten, sondern meistens als Bauern tätig waren. Aber dennoch zeigt sich, dass sie mit ihrer leichten Bewaffnung schnelle Überraschungsangriffe gegen die Römer machen konnten. In einer offenen Feldschlacht wären sie den Römern jedoch gnadenlos unterlegen gewesen. Erst ab dem 3. Jh. gab es
Truppenstärken, die römischen Verbänden auch ohne Überraschungsangriff gefährlich werden konnten.
Zum Umgang mit ihren Toten lässt sich sagen, dass die Germanen vor allem Brandbestattungen mit Beigaben vornahmen. Ihre Anführer (Eliten) jedoch verbrannten sie nicht, sondern setzten die Körper in reich ausgestatteten Hügelgräbern bei. In der späten Kaiserzeit übernahmen viele normale Leute die Körperbestattungssitte.

Lange Antwort

Zur Beschreibung der Lebensweise gehören selbstverständlich die Siedlungs- und die Wirtschaftsweise. Außerdem wird es einen Exkurs zum Kriegswesen der Germanen geben, das ganz klar nicht so allgegenwärtig und typisch für die Germanen war, wie es uns die antiken Autoren vermitteln. Da der Krieg aber stets Interesse weckt und wir auch einige fundierte Aussagen dazu treffen können, soll es zu diesem Thema ein paar Anmerkungen geben. Abschließend wird überblicksmäßig der Umgang mit den Verstorbenen thematisiert. Das religiöse Leben wird hier ausgeklammert, da es in der Frage 6 umfangreicher erörtert wird.
Die Germanen kannten keine Steinarchitektur, sondern bauten fast ausschließlich mit Holz. Als typische germanische Hauptgebäude sind größere Pfostenbauten zu nennen, die meist als Wohnstallhäuser genutzt wurden (Vieh und Menschen unter einem Dach, aber mit deutlicher Raumtrennung). Diese Häuser waren durchschnittlich 5-8 m breit und 15-20 m lang und hatten und wiesen größtenteils eine West-Ost-Ausrichtung auf. Häufig handelte es sich um dreischiffige Gebäude, wobei es im Mittelgebirgsraum auch ein- oder zweischiffige Bautypen gab.
Des Weiteren errichteten die Germanen verschiedene Nebenbauten. Am häufigsten treten im archäologischen Befund Speicherbauten auf Pfosten und Grubenhäuser, die als Lager und Gewerbebauten genutzt wurden. Manchmal weisen sie Feuerstellen auf, sodass es sich in diesen Fällen womöglich auch um Wohngebäude gehandelt haben könnte. Außerdem können oft Brunnen und Zäune nachgewiesen werden.
Diese Bautypen bildeten zusammen in unterschiedlichen Konstellationen Gehöfte, die Basiseinheit germanischer Siedlungen. Ein Gehöft bestand aus einem Wohnstallhaus und unterschiedlich vielen Nebenbauten. Oft waren die Gehöfte mit Zäunen oder anderen Formen von Einhegungen umgeben.
Mehrere Gehöfte zusammen waren eine Siedlung. Die Hauptsiedlungsform kann man als Weiler bezeichnen, tendenziell also eher kleinere Siedlungen ohne gemeinschaftliche Gebäude. Es ist wichtig zu beachten, dass die germanischen Siedlungen nicht repräsentativ, sondern vorrangig funktional sein sollten. Auch bei den Siedlungsformen lassen sich Differenzen zwischen der Rhein-Weser-Gruppe und den anderen Gruppen aufzeigen. Im rhein-weser-germanischen Gebiet gab es eher Streusiedlungen mit wenigen Gehöften, im nordsee- und elbgermanischen Raum hingegen größere Siedlungen mit mehreren Gehöften zusammen (teilweise bis zu zehn). Bevorzugt wurden Plätze besiedelt, die gleichzeitig in der Nähe eines Gewässers und trotzdem hochwassersicher waren. An der Nordsee gab es häufig auch Wurtensiedlungen, also Siedlungen auf künstlich aufgeschütteten Hügeln.

 

Feddersen_Wierde

Abb. 1: Rekonstruktion der Siedlung eines Gehöfts der Wurtensiedlung Feddersen Wierde. Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/76/Feddersen_Wierde_Hofmodell.jpg (17.07.2018)

 

Doch wie gestaltete sich die Wirtschaftsweise der Germanen? Keineswegs darf von dem Stereotyp ausgegangen werden, dass die Germanen hauptsächlich von Plünderungen und Geiselnahmen lebten. Im Gegenteil: am wichtigsten war der Ackerbau und Viehzucht in Selbstversorgung. Als Vieh wurden vor allem Rinder (40-60 %), Schweine (20-30 %), Schafe/Ziegen (können anhand der Knochen kaum unterschieden werden), seltener Gänse, Enten und Hühner gehalten. Es wurde nachgewiesen, dass sowohl der Rinder als auch die Schweine weitaus kleiner als ihre römischen und heutigen Verwandten waren, die Zuchtmethoden also noch nicht sehr ausgereift waren. Zudem hatten die Germanen auch Pferde und Hunde. Auf ihren Feldern wurde häufig Gerste, Weizen, Hirse, Roggen, Erbsen, Bohnen und Lein angebaut. Allerdings verwendeten die Germanen keinen Wendepflug, sondern arbeiteten mit der weniger effizienten Hakenschar.
An verschiedenen Siedlungsplätzen deuten Befunde und Funde daraufhin, dass es teilweise schon spezialisiertes bzw. eher halbspezialisiertes Handwerk gab, z. B. Eisenverarbeitung, Buntmetallverarbeitung, Töpferei oder Knochenbearbeitung.
Dass Weberei bzw. Textilverarbeitung vorrangig in den Grubenhäusern geschah, wird nicht nur durch antike Schriftquellen beschrieben, sondern durch die dort gefundene Webgewichte und seltener auch Standspuren der Webstühle belegt.
Für die Germanen gab es allerdings ein schwerwiegendes ökonomisches Problem: sie hatten noch keinen ausgeprägten Bergbau, sodass neben Raseneisenerz kaum andere Metalle gewonnen werden konnten. Das bedeutet, dass sie sich diese Ressourcen mit anderen Mitteln aneignen mussten (Handel oder Zwang).
Der Handel mit den römischen Provinzen lässt sich sehr gut nachweisen. Archäologisch äußert er sich vor allem im nicht römischen Germanien durch Vorhandensein römischen Geschirrs oder auch genetisch/anatomisch fassbaren Einkreuzungen römischer Nutztiere
Germanische Waren im römischen Bereich zu belegen, fällt hingegen etwas schwerer. Hier helfen aber die antiken Quellen: die Germanen lieferten wohl Honig, Felle, Bernstein und Sklaven. Interessanterweise ist können neueste Forschungen nahelegen, dass die römischen Objekte als umso wertvoller von den Germanen wahrgenommen wurden, je weiter entfernt sie von der Reichsgrenze waren. Jedoch kann dies nur als vorläufige Erkenntnis gelten, da aufgrund unterschiedlicher Forschungsstände in den europäischen Ländern noch zukünftige Forschungen notwendig sind.
Nichtsdestoweniger gab es natürlich, vor allem im grenznahen Bereich auch Plünderungen, die in der späten Kaiserzeit stark zunahmen.
Hieran sei eine kurze Ausschweifung zur Kriegsführung und Kampfesweise der Germanen angefügt. Schon bei Caesar waren insbesondere die germanischen Reiter als Hilfstruppen beliebt. Aber bereits seitdem die Kimbern und Teutonen Ende des 2. Jh. v. u. Z. in Italien einfielen, wussten die Römer um die Gefährlichkeit der germanischen Krieger.
Sowohl literarisch als auch archäologisch sind kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen beweisbar. Die Quellen berichten uns, dass die Germanen gegen die Römer oder auch in römischen Diensten bzw. für die Römer kämpften (s. 9.). Auch sind römisch-germanische Schlachtfelder bekannt, zu nennen sind hier Kalkriese, Harzhorn oder auch der Dünsberg. Sehr schwierig nachzuweisen sind jedoch innergermanische Auseinandersetzungen. So konnte bislang kein Schlachtfeld oder ähnliches gefunden werden. Jedoch sind ab der Stufe C aus Skandinavien mehrere große Waffenopfer bekannt. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um komplette oder nahezu komplette Ausstattungen besiegter gegnerischer Heere. Sehr interessant ist diesbezüglich Illerup Adal, wo aufgrund eines großen Waffenopfers des 3. Jh. eine Truppengröße der Unterlegenen von 1000 oder mehr geschätzt wurde. Jedoch muss davon ausgegangen werden, dass die Truppengrößen in der frühen Kaiserzeit durchschnittlich kleiner waren (s. 5.). Entsprechend der römischen Autoren und der Funde (vor allem am Harzhorn) ist die germanische Kampftaktik rekonstruierbar: da sie leicht bewaffnet waren und ohne Formation agierten, konnten sie schnelle und bewegliche Angriffe durchführen, wobei sie dafür sehr gut die naturräumlichen Gegebenheiten ausnutzten. Gegen die Römer verwendeten sie eher eine “Guerilla”-Taktik, also Überraschungsangriffe in unwegsamem Gelände, da sie in der offenen Feldschlacht unterlegen gewesen wären.
Abschließend soll noch die Bestattungssitte der Germanen umrissen werden. Die Hauptform war die Brandbestattung, d. h., der Leichnam wurde auf einem Scheiterhaufen mit Beigaben verbrannt. Danach folgte meist die Beisetzung der gesammelten Reste in Urnen, Brandschüttungsgräbern oder anderen weniger häufig verwendeten Grabformen. Teilweise wurden diese Gräber dann überhügelt und mit Steinen als Markierung versehen. Für Individuen mit besonders reichen Beigaben, die von der Forschung als Eliten definiert werden, wurden Körperbestattungen in Hügeln mit aufwendigen Grabkammern vorgenommen. Die Extravaganz dieser Bestattungen nahm tendenziell zum Ende der Epoche hin zu. Im Laufe der späten Kaiserzeit übernahmen aber auch immer mehr Menschen mit durchschnittlichen Beigaben die Körperbestattungssitte.

Verweise:
Becker 2016
Ilkjaer/Varberg 2009, 34
Meyer/Moosbauer 2013
Nüsse 2013
Schreiber 2018
Schücker 2016
Seidel 2006
Steinmetz 2013

Wie sahen die “Germanen” aus?

Kurze Antwort

Die germanischen Frauen trugen Kleider, die von zwei Fibeln auf den Schultern zusammengehalten wurden. Neben weiterem Schmuck hatten sie aber auch häufig Messer bei sich.
Männliche Germanen hatten meist Hosen, Hemden und einen Mantel an, der mithilfe einer Fibel vor der Brust geschlossen wurde. Auch die Männer trugen verschiedene Accessoires, wie Halsringe. Wichtig war den Männern ihr Kamm, mit dem sie ihr langes Haar pflegen konnten, das sie vermutlich häufig in Zopf- und Flechtfrisuren unterbrachten, worauf Moorleichen, römische Darstellungen und antike Schriftquellen hinweisen.
Die Krieger der Germanen hatten keine Rüstung, sondern nur einen hölzernen Rundschild. Als Waffen nutzten sie Schwerter, Lanzen, Äxte sowie Pfeil und Bogen, wobei die Waffen auch ihren Stand anzeigten.

Lange Antwort

Die Faszination über das Aussehen von Menschen der Vergangenheit ist sehr verbreitet. Das Interesse teilt sich dabei oft in zwei Richtungen auf: zum einen die Tracht (Kleidung, Schmuck etc.), zum anderen auch der biologische Phänotyp (Hautfarbe, Augenfarbe, Körpergröße etc.). Bzgl. der Germanen ist immer noch (seit der Antike) das hartnäckige Klischee vorhanden, dass es sich vor allem um große, blonde Menschen (mit blauen Augen) handelte. Dies ist natürlich keineswegs korrekt, zumal es in der Antike als Topos genutzt wurden ist und bekanntermaßen in der jüngeren Vergangenheit missbraucht wurde, was seinen traurigen Höhepunkt in der NS-Herrenrassenideologie fand.
Hier soll es darum gehen, das nachweisbare Aussehen der Germanen vorzustellen. Die wichtigste Quellengattung dafür sind Gräber. So zeigt sich, dass germanische Frauen meist zwei Fibeln trugen, welche die Kleidung auf den Schultern verschließen bzw. zusammenhalten sollte. Daraus lässt sich schließen, dass die Frauen eher Kleider, also keine Hemden nutzten. Dazu kommen noch Mäntel, (verzierte) Gürtel, Ohrringe, Ketten, andere Ringe usw. Insbesondere galt römischer Schmuck als außergewöhnlich, wobei sich ab dem 3. Jh. auch in den indigenen Formen zunehmende römische Einflüsse fassen lassen. Oft wurden Frauen und Mädchen Messer mit beigegeben, was darauf hinweist, dass jede Germanin vermutlich ein solches bei sich trug.
Männliche Bestattungen hingegen weisen immer nur eine Fibel auf, die dazu diente, den Mantel vor der Brust zusammenzuhalten. Nach antiken Berichten und Darstellungen lässt sich rekonstruieren, dass die Männer Hosen, Hemden und Mäntel trugen. Krieger bzw. Eliten trugen oft Halsringe. Kämme waren bei den Germanen typische Männerutensilien. Kämme scheinen in der germanischen Kultur einen hohen Stellenwert gehabt zu haben, sodass sie in sehr prunkvollen Ausführungen auftreten können. Die Kämme legen nahe, dass die germanischen Männer lange Haare hatten. Dies wird auch von antiken Schrift- und Bildquellen sowie einigen Moorleichen untermauert. Sehr berühmt ist weiterhin der “Suebenknoten”: eine Männerfrisur, bei der die Haare auf einer Seite über der Schläfe zusammengebunden werden. Auch bei den Männern zeigt sich, vor allem in der späten Kaiserzeit, eine Zunahme römischer Objekte, wobei es bei ihnen häufig mit dem Dienst im römischen Heer zu erklären ist.

Suebian Man

Abb. 2: Wohl der berühmteste “Suebenknoten”: der “Mann von Osterby”. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Suebenknoten#/media/File:Osterby_Man_Suebian-Knot.jpg (07.07.2018)

Ein großes Problem ist natürlich, dass fast nie die Kleidung erhalten geblieben ist, sodass keine fundierten Aussagen über Farbigkeit, Technik oder Verzierungsmuster getroffen werden können. Eine fantastische Ausnahme bildet der “Fürst von Gommern”, für den seine komplette Bekleidung und Ausstattung rekonstruiert werden konnte. Er zeigt, dass es sehr farbige Kleidung gegeben haben muss und Färbetechniken bekannt waren.

Zur militärischen Ausstattung der Germanen lässt sich sagen, dass sie keine Körperrüstung hatten. Die wichtigste Defensivbewaffnung war der hölzerne Rundschild. Als Waffen wurden am häufigsten Lanzen/Speere, einhändige Schwerter, einhändige Äxte und Pfeil und Bogen verwendet. Wie in den meisten anderen vor- und frühgeschichtlichen Kulturen, fungierten die Waffen oft auch als Statussymbole.

Abschließend wollen wir noch auf ein paar methodische Schwierigkeiten hinweisen. Leider hat der*die Bearbeiter*in kaiserzeitlicher Bestattungen selten die Möglichkeit genetische Analysen der Individuen durchführen zu lassen – bzw. gab es diese Analysen bei früheren Forscher*innen noch gar nicht. Um jedoch der traditionellen binären Geschlechtervorstellung in der archäologischen Forschung gerecht zu werden und entsprechend aussagekräftige Ergebnisse vorlegen zu können, sollten die Bestattungen einem Geschlecht zugeordnet werden können. Daher wurde schon im frühen 20. Jh. damit begonnen, die Bestattungen anhand der oben beschriebenen typischen Objekte einzuteilen. Waffengräber waren immer männlich, zwei Fibeln waren immer weiblich. Natürlich wurden manchmal auch anthropologische Bestimmungen vorgenommen, die zeigten, dass diese Einteilungen in diesen Fällen stimmten. Jedoch ist die Ableitung einer Regel daraus sehr problematisch: einerseits konnte mit genetischen Analysen gezeigt werden, dass ca. ein Drittel aller anthropologischen Geschlechtsbestimmungen falsch sind, und andererseits ist eine solche anthropologische Bestimmung bei Leichenbränden in den meisten Fällen nicht durchführbar. Hinzu kommt der interessante Fakt, dass es bei Körpergräbern leicht zur Verschleppung z. B. einer Fibel durch Tiere kommen kann, wodurch die archäologische Interpretationen verzerrt werden können.

Verweise

  • Becker 2010
  • Nüsse 2013
  • Rau 2013

 

 

 

 

 Wie war die germanische Gesellschaft aufgebaut?

Kurze Antwort

Die Machthaber der germanischen Gesellschaft waren die Stammesoberhäupter, die sich wahrscheinlich regelmäßig in Versammlungen trafen, um dort über wichtige Themen zu beraten. Vermutlich konnten sie ihre Machtstellung an ihre Nachfahren vererben. Jedoch ist unklar, wie sie tatsächlich ihre Herrschaft ausübten, da keine Herrschersitze in Mitteleuropa bekannt sind und sie in den antiken Quellen meist nur als militärische Akteure auftreten. Aber auch im kleineren Rahmen einer Siedlung trafen sich alle freien Männer regelmäßig (vergleiche das spätere Thing), um zu richten und zu beraten.
In den germanischen Vorstellungen hatten Frauen eine nicht-geringe Bedeutung, zumindest wurden sie teilweise als heilig angesehen. In Wirklichkeit jedoch gab es keine Gleichberechtigung oder ähnliches: die meisten Gräber, die als Fürstengräber angesprochen werden, enthielten männliche Individuen. Frauen durften nicht an den Versammlungen teilnehmen und auch die Kriegsführung war den Männern vorbehalten.
Die Germanen haben Menschen auch versklavt, meistens waren sie Kriegsgefangene. Leider ist sonst kaum etwas zu ihnen bekannt.

Lange Antwort

Auch in Bezug auf das Gesellschaftssystem der Germanen ergänzen sich archäologische und althistorische Erkenntnisse, wobei sich auch viele Widersprüche offenbaren. So lässt sich vor allem die soziale Hierarchie gut archäologisch nachzeichnen, wobei die Schriftquellen Hintergründe und ideologische Erklärungen liefern können. Ein großes methodisches Problem für die archäologische Forschung ist dabei, dass durch die Brandbestattungssitte viele Beigaben, über die der soziale Status des Individuums nachvollzogen werden kann, zerstört wurden.
Prinzipiell handelte es sich um eine patriarchale Kultur, deren Kernelemente am ehesten als Großfamilien anzusprechen sind (s. 3.). Jede hatte einen männlichen Vorsteher, der an “Ratsversammlungen” (Things) teilnehmen durfte. Bei Tacitus finden sich darüber einige Nachrichten, wobei er diese Personen als principes bezeichnet und es nicht klar wird, wie viele Menschen sie vertreten bzw. ihre Untertanen sind. Folgt man Tacitus, scheint es aber, dass es solche Versammlungen auf verschiedenen Ebenen gab:

“Könige (reges) wählen sie nach Maßgabe des Adels, Heerführer (duces) nach der Tapferkeit. Selbst die Könige haben keine unbeschränkte oder freie Herrschergewalt, und die Heerführer erreichen mehr durch ihr Beispiel als durch Befehle (…)” (Tac. Germ. 7,1-2)

Zunächst überrascht Tacitus hier, indem er von Königen berichtet. Man sollte sich aber keine Monarchen im mittelalterlichen Sinn vorstellen. Denn diese Textstelle ist von zwei Aspekten beeinflusst worden: erstens galt den Römern die Monarchie als verachtenswert (es wurde trotz des Kaisertums daran festgehalten, dass es eine senatorische Republik gäbe) und es wurde von römischen Machthabern erwartet, dass sie vorbildhaft Seite an Seite mit ihren Soldaten kämpften. Zweitens fehlte Tacitus scheinbar das passende Vokabular, um diese tribal organisierte Herrschaftsform zu beschreiben. Nichtsdestotrotz zeigt diese Stelle, dass aus einer Versammlung gleichgestellter Machthaber einer gewählt wurde, der dadurch eine höhere Machtposition erhielt. Ein weiterer Absatz führt dieses “Ratssystem” etwas weiter aus:

“Über geringe Angelegenheiten entscheiden die Stammeshäupter, über wichtigere die Gesamtheit; doch werden auch die Dinge, für die das Volk zuständig ist, zuvor von den Stammeshäuptern beraten. Man versammelt sich, wenn nicht ein zufälliges und plötzliches Ereignis eintritt, an bestimmten Tagen, bei Neumond oder Vollmond. (…) Dann hört man den König an oder die Stammeshäupter, jeweils nach dem Alter, nach dem Adel, nach dem Kriegsruhm, nach der Redegabe. (…)” (Tac. Germ. 11,1-7)

Tacitus betont des Öfteren, dass die Legitimation der Machthabenden vor allem durch militärische Potenz zustande kam.
Allerdings ist dies vermutlich zu vereinfacht, da die Germanen die meiste Zeit über Bauern waren (s. 4.). Bei Tacitus ist genauso unklar, wie die principes zu ihrer Macht gekommen sind: Kriegsführung, Wahlen oder Erbe? Weiterhin ist fraglich, wie sich diese “Großstämme”, die sich aus mehreren “Kleinstämmen” zusammensetzten, deren Oberhäupter sich dann in Versammlungen trafen, konstituierten. Keinesfalls gab es eine gesamtgermanische Versammlung. Aber überlegenswert sind z. B. die bei Punkt 1. genannten Kulturgruppen oder gemeinsame überregionale Kultverbände (s. 6.). Grundsätzlich ist natürlich wichtig, wie schon mehrfach betont wurde, dass die Quellen nicht als objektive Beschreibung zu verstehen sind, sondern erst überprüft werden muss, ob es einen wahren Kern gibt, den es dann von topischen und stilistischen Elementen zu frei zu bekommen gilt.
Dass es aber eine Aristokratie gab, die ihre Macht vererben konnte, legen verschiedene archäologische Erkenntnisse nahe, wie z. B. die über mehrere Generationen belegten Elitennekropolen von Hagenow oder Marwedel. Ebenfalls deuten die römisch-germanischen Matronenkulte im Rheinland auf eine große Bedeutung von tribalen bzw. familiären Ahnenkulten hin (s. 6.).
Interessanterweise lässt sich zeigen, dass in der frühen Kaiserzeit eher fließende Übergänge zwischen den verschieden ausgestatteten Bestattungen vorherrschend waren, sodass in dieser Zeit von einer “bodenständigeren” Elite ausgegangen werden muss. Hingegen wurden in der späten Kaiserzeit die Unterschiede größer, insbesondere die Elitenbestattungen wurden weniger, aber wesentlich reicher. Dies passt zur Gesamtentwicklung: es gab weniger, dafür mächtigere Herrscher, was mit einer Vergrößerung der Einfluss- und Machtbereiche zusammenhing.
Die archäologisch fassbaren Eliten waren meist männlich (von 64 bei Becker 2010, Beilage 1 aufgeführten Bestattungen, sind fünf als weiblich bestimmbar), militärisch und wirtschaftlich potent und kannten bzw. lebten den römischen Lebensstil. Paradox zu den Schriftquellen und den reichen Bestattungen ist jedoch, dass in Mitteleuropa bislang keine Herrschersitze entdeckt werden konnten, sodass die Macht nicht durch Architektur repräsentiert wurde. Die Frage ist also, wie die Macht sonst dargestellt und somit auch legitimiert wurde? Andererseits sind aus Dänemark wenige größere Wohnhäuser mit reicheren Funden bekannt, die vielleicht als Herrschersitze anzusprechen sind. Oft wird diesbezüglich in der Forschung noch auf künftige Ergebnisse gehofft, wobei man andererseits den Stand auch anerkennen könnte, da es nach mehr als hundert Jahren Ausgrabungen sehr unwahrscheinlich ist, entsprechende Befunde doch noch zu entdecken. Die konzeptionelle Konsequenz, die sich daraus ergibt, wäre also, dass es den Germanen fremd war, ihre Macht durch architektonischen Prunk zu repräsentieren und zu legitimieren.
Aber hier soll es nicht nur um die Eliten gehen. Bzgl. der normalen Bevölkerung stellt sich oft die Frage, wie sich die Geschlechterrollen darstellten und ob es Aufgabenteilung etc. gab. Eine solche Aufgabenteilung, die sich bei anderen Kulturen an manchen Skeletten aufgrund von Abnutzungen oder Ausprägungen nachvollziehen lässt, entfällt für die Germanen wegen der Brandbestattungssitte. Gleichwohl berichtet uns Tacitus von einer Aufgabenteilung: Frauen wären für den Haushalt, für Hauswerk (vorrangig Weberei), für die Kinder und teilweise auch für die Feldarbeit zuständig gewesen, wohingegen sich die Männer um körperliche Arbeiten, Krieg und Ratsversammlungen bzw. die dortigen Kulte kümmerten. Dennoch berichtet er ebenfalls von der wichtigen Bedeutung der Frauen in der germanischen Gesellschaft:
“[es geht um den Krieg] (…) zur Mutter, zur Gattin kommen sie mit ihren Wunden, und jene zählen oder prüfen ohne Scheu ihre Stiche (…). Schon manche wankende und sich auflösende Schlachtreihe wurde, wie es heißt, von den Frauen wieder zum Stehen gebracht: durch beharrliches Flehen, durch Entgegenhalten der entblößten Brust und den Hinweis auf die nahe Gefangenschaft (…). Die Germanen glauben sogar, den Frauen wohne etwas Heiliges und Seherisches inne; deshalb achten sie auf ihren Rat und hören auf ihren Bescheid. Wir haben es ja zur Zeit des verewigten Vespasian erlebt, wie Veleda lange Zeit bei vielen als göttliches Wesen galt. Doch schon vor Zeiten haben sie Albruna und mehrere andere Frauen verehrt, aber nicht aus Unterwürfigkeit und als sie erst Göttinnen aus ihnen machen müssten.” (Tac. Germ. 7,6-8,3)

Tacitus beschreibt die Rolle der germanischen Frauen also etwas widersprüchlich, wobei in der Forschung umstritten ist, welche Zwecke er mit den verschiedenen Textstellen erreichen wollte. Ein wichtiger Punkt ist bspw., dass er möglicherweise entsprechend des römischen Androzentrismus zeigen wollte, dass die germanischen Männer stark von ihren Frauen beeinflusst wurden und so abhängig gemacht wurden. Außerdem kritisiert er die “grundlose” Vergöttlichung römischer Kaiserinnen mit obiger Textstelle (“nicht aus Unterwürfigkeit”). Festzuhalten bleibt also, dass die germanische Gesellschaft zumindest im ideell-religiösen
Bereich den Frauen eine gewisse Bedeutung zumaß – inwiefern sich dies real bzw. praktisch darstellte, bleibt fraglich.
Zuletzt sei auf eine Bevölkerungsgruppe hingewiesen, die auch heutzutage in der Forschung quasi komplett stumm ist: die Sklaven. Von ihrem Vorhandensein berichten zahlreiche antike und frühmittelalterliche Quellen, jedoch kann die Sklaverei mit der aktuellen archäologischen Methodik kaum nachgewiesen werden. Entsprechend der Quellen gab es jedoch eher keinen Sklavenstand wie in der griechisch-römischen Gesellschaft mit Status-Erbschaft, sondern eher einen, der sich aus Entführten oder Kriegsgefangenen zusammensetzte. Hier wäre aber eine detailliertere wissenschaftliche Auseinandersetzung sehr wünschenswert.
Ebenfalls ist noch nicht genau untersucht wurden, wie Kinder und Alte gesellschaftlich wahrgenommen wurden bzw. ob es spezifische Beigabensitten gab, die sich überregional verfolgen lassen.

Verweise
Becker 2010
Lund 1991
Nielsen 2014
Nüsse 2013

 Wie lässt sich die Glaubenswelt der “Germanen” rekonstruieren?

Kurze Antwort

Es ist leider nicht möglich, ohne Spekulation und rückschreibende Methode (also die Erklärung der germanischen Religion durch mittelalterliche Quellen) ein einheitliches Bild von den germanischen Gottheiten und ihrer Mythologie zu erschließen. Zudem widersprechen sich an verschiedenen Stellen die literarische Überlieferung, die Weihinschriften aus den germanischen Provinzen sowie die archäologischen Hinweise. Es ist davon auszugehen, dass entsprechend der Gesellschaftsstruktur jeder Stamm oder Clan seine spezifisch ausgeprägten Kulte hatte. Die Gottheiten wurden sich menschengestaltig vorgestellt. Über die niedere Mythologie, also was im Mittelalter Elfen, Drachen oder Trolle waren, lassen sich jedoch für die Kaiserzeit keine sicheren Aussagen treffen. Allerdings muss man beachten, dass man abgesehen von den räumlichen Unterschieden auch von gewissen zeitlichen Unterschieden ausgehen sollte, die sich aber oft wegen der geringen Anzahl der Informationen zu den germanischen Kulten kaum fassen lassen.
Eine große Bedeutung hatten identitätsstiftende Ahnenkulte, von denen sich vermutlich im Laufe der zeit einige zu überregionalen Kulten entwickelten. Obwohl manche Zeugnisse einen oder mehrere männliche Hauptgötter nahelegen, weisen andere Zeugnisse (vor allem die römisch-keltisch-germanischen Inschriften) auch auf eine große Bedeutung weiblicher Gottheiten hin. Die Funktionsbereiche der Gottheiten sind mannigfaltig und nicht gesetzmäßig festgelegt. Z. B. waren die weiblichen Gottheiten oft zuständig für Fruchtbarkeit, Heilung und Familie/Ahnen, konnten aber seltener auch als Kriegsgöttinnen verehrt werden.
Am besten lässt sich das Kultgeschehen nachvollziehen: hauptsächlich wurden wohl Opferkulte an bestimmten, naturräumlich markanten, als heilig empfundenen Orten
praktiziert. Oft handelte es sich dabei vermutlich auch um gemeinsame Handlungen größerer Gruppen.

Lange Antwort

Wenn man in Suchmaschinen “Glaubenswelt” und “Germanen” eingibt, wird der*die User*in mit Gemälden aus dem 19. und 20. Jh. sowie Informationen zu den skandinavischen Eddas überflutet. Jedoch kann diese nordische Götterwelt nicht für die Römische Kaiserzeit belegt werden, sodass eine undifferenzierte Rückprojektion sehr problematisch ist. Demnach sollen im Folgenden die Informationen aufgeführt werden, die uns tatsächlich zur Religion der Germanen vor christlichen Einflüssen überliefert sind. Trotzdem können die mittelalterlichen Quellen natürlich als Hinweise oder Erklärungsmodelle dienen, sodass sie im Anschluss an die antiken und archäologischen Quellen kurz thematisiert werden sollen.
Zuerst soll auf die römischen Quellen eingegangen werden, einerseits die literarischen, andererseits die inschriftlichen. Voranzustellen ist hier eine kurze Erklärung des Begriffs interpretatio Romana: einfach gesagt handelt es sich um die Übersetzung einer nicht-römischen Gottheit in das Römische. Dabei ist jedoch nicht nur die sprachliche Übersetzung gemeint, sondern die Gleichsetzung einer fremden Gottheit mit einer römischen. Dieses Phänomen funktionierte jedoch nicht nur in die eine Richtung. Es übernahmen auch Nicht-Römer, die im Römischen lebten oder in der Armee kämpften, für ihre indigenen Kulte römische Namen der Gottheiten, die ihnen am nächsten schienen, und auch römische Kultformen. Im Zuge dieser Akkulturations- und Hybridisierungsprozesse entstanden aber auch sehr viele neue kultische Mischformen (Synkretismen). Dies konnte sehr viele Ausprägungen haben – wichtig ist, dass nicht hinter jeder Gottheit mit einem römischen Namen oder Aussehen inhaltlich eine römische Gottheit stecken muss.
Die bedeutendste antike Quelle zur Religion der Germanen ist die “Germania” des Tacitus. Wie schon an mehreren Stellen betont wurde, muss hierbei auf topische Elemente geachtet werden. Hinzu kommt die Ungewissheit, woher Tacitus seine Informationen erhielt: ältere, heute verlorene Bücher, eigene Beobachtungen, Hörensagen oder germanische Informanten?
Tacitus stellt klar heraus, dass es eine germanische Priester”kaste” gab, die eine enge Verbindung zu den Herrschenden hatte und eine Mittler- und Exekutivrolle (vor allem im juristischen Bereich) inne hatte. Er betont außerdem mehrfach, was auch durch archäologische Erkenntnisse gestützt wird, dass die Germanen keine Tempelgebäude hatten, sondern Wälder, Haine und andere besondere naturräumliche Plätze als Heiligtümer nutzten (gleichzeitig waren dies die Versammlungsorte der Stammesoberhäupter, s. 5.):

“Im übrigen glauben die Germanen, dass es der Hoheit der Himmlischen nicht gemäß sei, Götter in Wände einzuschließen oder irgendwie der menschlichen Gestalt nachzubilden. Sie weihen ihnen Lichtungen und Haine, und mit göttlichen Namen benennen sie jenes geheimnisvolle Wesen, das sie nur in frommer Verehrung erblicken.” (Tac. Germ. 9,4)

Allerdings widerspricht sich Tacitus selbst mehrfach in Bezug auf die Frage, ob die Germanen Kultbilder hatten und ob diese anthropomorph waren. Diese Heiligtümer waren meist stammesbezogen, sodass die dort verehrten Gottheiten häufig einen besonderen Bezug zum entsprechenden Stamm hatten. Die Kulte spielten eine wichtige Rolle für die Ausprägung der Gruppenidentitäten. Nur sehr selten gab es wohl überregionale Treffen und Kulte – ein Beispiel ist der Kult der Nerthus:

“Im einzelnen haben sie [die Stämme der Reudigner, Avionen, Anglier, Variner, Eudosen, Suardonen, Nuitonen] nichts Bemerkenswertes, insgesamt aber verehren sie Nerthus, das heißt die Mutter Erde, und glauben, die Göttin nehme teil am Treiben der Menschen, sie fahre bei den Stämmen umher.” (Tac. Germ. 40,3).

Auch war die Weißsagerei bei den Germanen beliebt: selten wurde dies von männlichen Priestern im öffentlichen Rahmen vorgenommen, häufiger im privaten Rahmen von Seherinnen.
Aber welche germanischen Gottheiten kennt Tacitus eigentlich? Zunächst einmal einige, die er nur mit gleichgesetzten römischen Namen überliefert:

Hercules: ein Abenteurergott
Mercur: der Hauptgott (vielleicht berichtet Tacitus hier von einem keltogermanischen Gott, da im u. a. Rheinland die Gleichsetzung von Mercur mit Lug-Esus-Teutates beliebt war)
Mars: ein Kriegsgott
suebische Isis: sie wird beschrieben als fremder Kult und steht vielleicht im Zusammenhang mit dem Kult der Nerthus oder der Nehalennia

Des Weiteren berichtet der Autor von folgenden Gottheiten mit nicht-römischen Namen:
Nerthus: eine Erdgöttin, allerdings ist bei ihr nicht sicher, ob die Beschreibung der Kultpraxis (eine große Prozession) korrekt ist, da es sich textlich um eine Gleichsetzung mit dem römischen Magna-Mater-Kult handelt
die Alken: werden von Tacitus als Castor und Pollux interpretiert, also als Brüder und Jünglinge – tatsächlich liegt ein etymologischer Zusammenhang mit germ. *alhiz vor, das vermutlich mit dem gotischen Wort für Tempel (alhs) verwandt ist
Göttermutter: ihre Bedeutung ist unklar, da es sich nur um einen sehr kurzen Absatz handelt.

Möchte man als Wissenschaftler*in nun nicht ins Reich der Spekulationen abrutschen, muss die Quellenbasis erweitert werden. Denn allein aus der “Germania” lässt sich kaum ableiten, was wirklich hinter diesen Gottheiten stand. Eine vielversprechende Zeugnisgattung stellen die Weihinschriften aus den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior dar. Wie oben schon angesprochen wurde, ist diesbezüglich sehr wichtig, dass es in diesen Provinzen in der Kaiserzeit keine “rein germanische” Kultur gab, sondern dass dort römische, germanische und keltische Kulturformen stark miteinander verschmolzen sind.
Geht man nach den Weihinschriften, waren bei den Indigenen (dem Namen nach) nicht einzelne männliche Götter, hingegen aber die Matronen am beliebtesten. Bei diesen handelt es sich um Gruppen von drei Göttinnen, die wahrscheinlich einerseits als Fruchtbarkeitsgöttinnen (nicht sexuell, sondern vegetabil und in Verbindung mit Baumkult) und andererseits als Familien- oder Stammesgottheiten verehrt worden sind. Es sind sehr viele verschiedene Beinamen von ihnen überliefert, die jedoch seltener klare Aufgabenbereiche benennen. Vielmehr weisen die Beinamen auf Stämme oder Kultverbände hin, wobei sich hieran eine große Forschungsdiskussion anschließt, worum genau es sich bei diesen Gruppenbezeichnungen handelt.

 

Weihestein

Abb. 3: Weihinschrift an die Vacallinehischen Matronen aus Mechernich. Rekonstruierte Farbfassung. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Matronen#/media/File:Weyer_(Mechernich)_-_Weihestein_des_Caldinius_Firminius.jpg (09.07.2018)

Es zeigt sich also, dass die althistorischen Erkenntnisse über die Religion der Germanen große Unterschiede zur nordischen Religion der Wikinger aufweisen. Hier muss eine Kritik der nordischen Philologie bzw. Germanistik vorgenommen werden: insbesondere in populärwissenschaftlichen Werken über die Religion der Germanen (wie Krause 2016 oder Simek 2009) versuchen die Verfasser, eine Kontinuität der germanischen Religion von der Antike bis ins Mittelalter darzustellen. Da die Eddas und u. a. die völkerwanderungszeitlichen Goldbrakteaten auf eine Religion schließen lassen, in denen vor allem männliche kriegerische Gottheiten sehr wichtig waren, werden auch die antiken Zeugnisse in diese Richtung ausgedeutet. Willkürlich und unkritisch (meist auch ohne Thematisierung des althistorischen oder provinzialarchäologischen Forschungsdiskurses) werden die Weihungen an Hercules und Mars bspw. entsprechend gedeutet, ohne das bei diesen Beispielen die geringe epigraphische Quantität oder die generelle Beliebtheit dieser Kulte beim Militär reflektiert werden. Zudem findet sich kaum eine kritische Auseinandersetzung mit der häufig angewandten rückschreibenden Methode: exemplarisch wird Hercules ohne Zögern mit Thor/Donar gleichgesetzt, ohne dass es bis ins Frühmittelalter überhaupt Belege für diesen Namen gibt. Diese pseudowissenschaftlich nachgewiesene Kontinuität hat in der Vergangenheit dunkelsten Ideologien beigetragen und es ist erschreckend, dass gleiche Methoden immer noch verwendet werden, dazu aber mehr in Frage 11.
Blendet man diese problematischen Ansätze aus, zeigt sich, dass die nordische/germanische Philologie bzw. Skandinavistik durchaus helfen kann beim Verständnis der antiken Zeugnisse. Ein interessantes Beispiel sind die Disen, die wie die bei Tacitus überlieferten Seherinnen magisch begabte Frauen sind und als Dreiergruppen auch die Bedeutung der Matronen verdeutlichen könnten – der frühmittelalterliche Erste Merseburger Zauberspruch berichtet über sie:

“Einstmals setzten sich Frauen [idisi], setzten sich hierhin und dorthin./ Einige hefteten Hafte, andere hemmten das Heer,/ andere nesteln an festen Fesseln:/ Entspring den Banden, entweich den Feinden.”

Also auch im Frühmittelalter glaubte man noch an magisch begabte Frauengruppen, sodass hier VIELLEICHT eine ideen- bzw. religionsgeschichtliche Konstante von der Kaiserzeit zum Frühmittelalter fassbar ist. Dieses VIELLEICHT ist methodisch ausschlaggebend: will man die mittelalterlichen Quellen zur Erschließung der germanischen Religion nutzen, muss man stets beachten, dass sie nie als Beweise, sondern immer nur als Indizien gelten können.
Diesbezüglich ist wichtig, dass erst mit der Verbreitung der christlich-lateinischen Schriftlichkeit die Möglichkeit für gelehrte Indigene sowie Missionare bestand, die paganen Sagen, Legenden etc. zu verschriftlichen und somit stärker zu kanonisieren. Jedoch muss darauf Acht gegeben werden, dass die Schriftquellen stark von der christlichen Bildung und dem Weltbild der Autoren beeinflusst wurden, deutlich wird dies auch bei mediterranen Elementen, wie der angeblich trojanischen Herkunft der Skandinavier. Aber nicht nur bei den Skandinaviern wurden Werke über die pagane Religion verfasst: z. B. gibt es auch frühmittelalterliche Berichte über die Sachsen, wobei diese oft nur sehr ungenaue oder topische Aussagen umfassen (interpretatio Christiana).
Diese Literatur der Völkerwanderungszeit und des Frühmittelalters (vor allem über Sachsen, Goten und Langobarden) kennt bis zum 9./10. Jh. zwei männliche Hauptgötter (vermutlich später Odin/Wodan und Thor/Donar), ein Hauptpaar (vermutlich später Odin/Wodan und Frigg) und nur teilweise weitere Gottheiten. Dies macht deutlich, dass im Laufe der Völkerwanderungszeit ein Wandel in der germanischen Götterwelt von statten gegangen sein muss, was vielleicht mit der Bedeutung des Kriegertums und der militärischen Potenz in dieser weitaus kriegerischeren Zeit zusammenhing.
Erst ab dem 9./10. Jh. wurden mit dem Aufkommen der nordischen Skaldendichtung umfangreichere Quellen zur paganen Götterwelt und niederen Mythologie verfasst. Es wurde nachgewiesen, dass erst im Zuge dessen viele spezifische Elemente hinzukamen, wie bspw. die Trennung der Göttergeschlechter Asen und Wanen. Da bei der eddischen Dichtung also vor allem wikingische Vorstellungen, die stark christlich beeinflusst worden sind, vorliegen, sollen diese Inhalte hier nicht weiter ausgeführt werden. Bemerkenswert ist, dass dies auch von Rudolf Simek und Arnulf Krause, zwei renommierten Forschern auf diesem Gebiet, in ihren Einführungsbüchern kurz erklärt wird, sie aber dennoch diese Bücher, welche größtenteils über die Inhalte dieser skandinavischen Dichtung handeln als “Götter und Kulte der Germanen” bzw. “Die Götter und Mythen der Germanen” betiteln. Warum nicht “der Wikinger”, was inhaltlich viel legitimer wäre? Verkaufen sich die Germanen also besser als Wikinger? Jedenfalls werden so Narrative reproduziert, die eigentlich überwunden werden sollten (s. 11.).
Kommen wir nun zu den archäologischen Indizien bzgl. der germanischen Religion. Darunter fallen vor allem Opferkulte, die z. B. für die prominenten Fundorte Nydam, Illerup Adal oder Oberdorla nachweisbar sind. Viele dieser Kultplätze wurden von der Vorrömischen Eisenzeit bis zur späten römischen Kaiserzeit oder sogar bis zur Völkerwanderungszeit genutzt (wobei natürlich die verehrten Gottheiten nicht gleich geblieben sein müssen – sicher ist nur, dass diese Orte über die Zeiten als heilig erachtet wurden). Vor allem lassen sich Waffen, oft intentionell beschädigt, als Opfer belegen. Allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass sich viele organische Opfer nicht erhalten haben, sodass in der statistischen Gewichtung eine Verzerrung vorliegen kann.

In Illerup Adal wurde bspw. im 3. Jh. u. Z. höchstwahrscheinlich die Bewaffnung eines gesamten gegnerischen Heeres geopfert, was darauf hinweist, dass solche Opfer auch wichtige kollektive und politische Ereignisse waren (vgl. oben: Tacitus` Beschreibung der Kult- und Ratsversammlungen). Nichtsdestotrotz wurden auch viele Tieropfer gemacht und seltener finden sich auch menschliche Skelette auf diesen Kultplätzen (s. 7.). Sehr interessant sind die sogenannten Holzidole, die meist aus Kultplatzkontexten stammen. Diese treten seit der Bronzezeit auf und sind sehr seltene Funde (in Mittel- und Nordeuropa sind bisher ca. 20 publiziert worden). Es handelt sich um abstrahiert anthropomorphe Astgabeln oder Holzstämme, die durch ihre Form oder Bearbeitung Beine, Köpfe und manchmal auch Arme u. a. aufweisen. Teilweise wurden sie mit angedeuteten Geschlechtsmerkmalen dargestellt, wie z. B. in Wittemoor (Kontur und Vulva) oder in Broddenbjerg (Phallus).

Broddenbjerg

Abb. 4: Holzidol von Broddenbjerg. Es stammt jedoch aus dem 6. Jh. v. Chr. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Broddenbjerg-Idol#/media/File:Broddenbjerg_Idol.JPG (09.07.2018)

Die Existenz dieser Idole beweist, dass die Gottheiten anthropomorph gedacht wurden, wobei hier die Annahme zugrunde liegt, dass es sich um Darstellungen von Gottheiten handelt, die bislang nicht bewiesen werden kann. Auffällig ist, dass eine spezifische Ikonographie kaum ausgeprägt ist. Wissenschaftlich und vor allem museologisch problematisch finden wir, dass diese Idole oft als germanische Gottheiten angesprochen werden und gleichzeitig, wie z. B. im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar, als Wodan, Donar etc. bezeichnet werden, ohne dass irgendein Beweis dafür vorhanden wäre.
Hier anschließend ist wichtig, dass der älteste namentliche Beleg für Wodan auf der “Runenfibel von Nordendorf” zu finden ist, die in das 7. Jh. u. Z. datiert wird. In der Völkerwanderungszeit treten dann vermehrt Schaumünzen (Brakteaten) und Goldbleche (Goldgubber) auf, welche auf männliche Hauptgötter mit verschiedenen Funktionsbereichen hindeuten. Es stellt sich also die Frage, warum sich dieser Wandel von den diversen männlichen und weiblichen Gottheiten zu wenigen männlichen Hauptgottheiten vollzogen hat.

Verweise:
Capelle 1995
Krause 2016
Lund 1991
Rübekeil 2002
Rüger 1987
Simek 2009
Spickermann 2008

 Gab es Menschenopfer bei den “Germanen”?

Kurze Antwort

Von germanischen Menschenopfern weiß bereits Tacitus zu berichten. In seiner Germania betont er, dass diese Opferform sehr selten und sehr heilig war. Allerdings können seine Aussagen nicht als bare Münze genommen werden, da er als Schriftsteller mit den Menschenopfern versuchte, schauderhafte Stimmung zu erzeugen und die Germanen als barbarisch zu kennzeichnen.
Im archäologischen Bereich wurden häufiger Skelette, die an vermeintlichen Kultstätten entdeckt wurden oder auch Moorleichen als Menschenopfer angesprochen. Allerdings lässt es sich nie beweisen, ob ein getöteter Mensch tatsächlich geopfert wurde, oder ob er nicht doch die Todesstrafe erhielt, als Kriegsgefangener getötet wurde oder ein Mordopfer war.
Also ist es zwar wahrscheinlich, dass es bei den Germanen seltene Menschenopfer gab – es lässt sich nicht sicher beweisen.

Lange Antwort

Das Thema der Menschenopfer interessiert die Menschen bereits seit der Antike. Allerdings lagen sowohl in der Antike als auch bei vielen neuzeitlichen und modernen Betrachtungen antike Topoi zugrunde, sodass sich eine evidenzbasierte Auseinandersetzung mit dem Thema nicht einfach gestaltet.
Zunächst seien wieder die antiken Quellen angeführt, allen voran die Germania von Tacitus. Er nennt an drei Stellen direkt menschliche Opfer:

„Von den Göttern verehren sie am meisten den Merkur; sie halten es für geboten, ihm an bestimmten Tagen auch Menschenopfer darzubringen.“ (Tac. Germ. 9,1)

Wichtig ist bei dieser Textstelle die Nennung, dass diese Opfer nur an bestimmten Tagen vorgenommen worden sind. Ähnlich stellt es sich bei den Semnonen dar:

„Als die ältesten und vornehmsten Sueben betrachten sich die Semnonen. Den Glauben an ihr hohes Alter bestätigt ein religiöser Brauch. Zu bestimmter Zeit treffen sich sämtliche Stämme desselben Geblüts, durch Abgesandte vertreten, in einem Haine, der durch die von den Vätern geschauten Vorzeichen und durch uralte Scheu geheiligt ist. Dort leiten sie mit öffentlichem Menschenopfer die schauderhafte Feier ihres rohen Brauches ein.“ (Tac. Germ. 39,1-2)

Hier wird betont, dass das Menschenopfer im Zusammenhang mit der Besonderheit und Heiligkeit des Festes stand. Etwas uneindeutiger schildert Tacitus Menschenopfer im Abschnitt über den Nerthus-Kult:

„Es gibt auf der Insel des Weltmeeres einen heiligen Hain, und dort steht ein geweihter Wagen, mit Tüchern bedeckt; einzig der Priester darf ihn berühren. (…) Dann werden Wagen und Tücher und, wenn man es glauben will, die Gottheit selbst in einem entlegenen See gewaschen. Sklaven sind hierbei behilflich, und alsbald verschlingt sie [die Sklaven] der See.“ (Tac. Germ. 40,4-9)

Das Ertrinken der Sklaven wird gemeinhin als eine Art von Menschenopfer interpretiert, was sehr häufig auch mit den Moorleichen kontextualisiert wurde. Auch diese Textstelle betont die außergewöhnliche Heiligkeit und das Mysteriöse.
Allerdings konnte gezeigt werden, dass diese grauenvolle Atmosphäre, in deren Rahmen die Menschenopfer geschildert werden (bzw. werden die Menschenopfer genutzt, um diese Atmosphäre zu erzeugen) zwei Funktionen hat: einerseits konnte diese `barbarische` Kultform das germanische Feindbild verstärken und andererseits wirkte diese Stilistik bei der römischen Leserschaft natürlich spannend und exotisch (man vergleiche abenteuerliche Expeditionsberichte aus der Neuzeit). Des Weiteren diente das Element des Menschenopfers in der antiken Literatur dazu, eine Altehrwürdigkeit und Heiligkeit zu untermauern. Nämlich sollten im Rahmen der primitiven Kultur (Rom war stets das Höchstmaß der Zivilisiertheit) die Menschenopfer das Bild der Spiritualität und kompromisslosen Religiosität der Germanen zeichnen (was auch als Kritik gegenüber dekadenten Römer*innen gemeint war).
Für das Thema sollte also mitgenommen werden, dass nach den antiken Quellen Menschenopfer extrem selten waren und nur zu den heiligsten Festen oder in besonderen Notsituationen dargebracht worden sind. Dies zeigt, dass ein Menschenopfer stets als die `wertvollste` Form der Opferung galt.
Nun wenden wir uns noch der archäologischen Perspektive zu. Für die Deutung als Menschenopfer kommen vor allem menschliche Skelette oder Skelettreste in Frage, die an Opferplätzen entdeckt wurden.

Ein Beispiel dafür wäre Oberdorla, wo 40 Individuen ergraben wurden, die allerdings auch teilweise aus der Vorrömischen Eisenzeit stammen. Ebenfalls wird sehr häufig bei Moorleichen, die ja oft einzeln auftreten, überlegt, ob es sich um Menschenopfer handelte.
Jedoch ist die Interpretation bzw. Argumentation diesbezüglich sehr problembehaftet. Man bedenke, insbesondere im vermeintlichen Kultstättenkontext, die Möglichkeit der Bestattung – vor allem da häufig keine intentionelle Tötung nachgewiesen werden kann. Und selbst wenn tödliche Verletzungen an den Toten gefunden worden sind, ist dies noch lange kein Beleg für eine Opferhandlung. Es ist unmöglich, eine Todesstrafe, eine Ermordung eines Kriegsgefangenen oder einen `normalen` Mord auszuschließen. Zwar weist natürlich der Kontext einer Kultstätte und die Vergesellschaftung mit anderen (scheinbar) geopferten Objekten auf eine sakrale Komponente hin, aber wie die Eddas und die Germania (s. 5. und 6.) nahelegen, war bspw. die Jurisdiktion eng verbunden mit den Kultstätten. Nach wissenschaftlichen Maßstäben ist es also nicht beweisbar, dass ein Skelett bzw. ein Leichnam als ein germanisches Menschenopfer identifiziert werden kann. Nichtsdestotrotz ist es wahrscheinlich, auch unter Zuhilfenahme der antiken Quellen, dass es Menschenopfer gegeben hat. Dabei ist zu bedenken, dass eine getötete Person sowohl Verbrecher als auch Menschenopfer gewesen sein könnte.

Verweise
Lund 1991
Simek 2009, 22 f.

 

Was hat es mit der Runenschrift auf sich?

Kurze Antwort

Das Runenalphabet wird Futhark genannt und setzt sich in der älteren Variante (ca. 150-800 u. Z.) aus 24 und in der späteren Variante (ca. 800-1300) aus 16 Zeichen zusammen. Allerdings sind, besonders aus der frühen Zeit kaum Beispiele bekannt, sodass die Entstehung kaum erschlossen werden kann.
Vermutlich entwickelten sich die Buchstaben im Zusammenhang mit der Wahrsagerei und auch die meisten Inschriften deuten daraufhin, dass es sich um eine heilige Schrift handelte. Das heißt, dass keineswegs alle Germanen die Runen lesen oder schreiben konnten. Aber es ist anzunehmen, dass alle Germanen und später Wikinger wussten, dass es sich um heilige Zeichen handelte, die Schutzfunktionen oder ähnliches hatten.

Lange Antwort

Das Runenalphabet wird Futhark genannt, was den ersten sechs Buchstaben der Runenschrift entspricht. Bzgl. der Runen wurde und wird in der Forschung seit langem darüber gestritten, ob es sich um eine heilige Schrift oder um eine alltägliche Schrift handelte. Daran schließt sich die Frage an, wer die Schrift schreiben und lesen konnte und wie hoch die Alphabetisierungsrate war.
Die Runenschrift teilt sich auf in das ältere Futhark, welches aus 24 Zeichen bestand und ca. bis 800 u. Z. in Nordeuropa genutzt wurde, und in das jüngere Futhark, das nur noch 16 Zeichen kannte und bis ins Spätmittelalter – allerdings nur noch in Skandinavien – verwendet wurde.

Abb. 5: Das ältere Futhark. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Futhark#/media/File:Futhark24.svg (11.07.2018)

Interessanterweise lässt sich der Beginn der Runenschrift (Mitte 2. Jh. u. Z.) ungefähr mit einem großen Anstieg der Inschriftenkultur in den Rheinprovinzen (bzw. im ganzen Imperium Romanum) parallelisieren. Auch wenn die Vermutung eines Zusammenhangs verlockend wirkt, muss man sich vor Augen halten, dass der Beginn der Runenschrift nur durch einen Beleg, den “Kamm von Vimose”, markiert wird – der nächste bekannte Beleg stammt erst wieder aus dem 5. Jh. (Kylverstein).
Nun zu der oben aufgeworfenen Frage. Tacitus berichtet, dass die Seherinnen für ihre Wahrsagerei Stäbchen benutzten, die sie warfen und daraus die Zukunft lasen. Es wird für wahrscheinlich gehalten, dass auf diesen Stäbchen dann auch Zeichen geschrieben wurden, die sich schließlich zum Futhark entwickelten. Vermutlich lässt sich der deutsche Begriff “Buchstaben” auch genau darauf zurückführen: Buchen-Stäbchen.
Am häufigsten treten bis zum Mittelalter durchweg kurze Runeninschriften auf, die als Abkürzungen des Alphabets gedeutet werden. Dies wird so interpretiert, dass damit die magischen Eigenschaften aller Runenzeichen bzw. die kultische/religiöse Macht der Schrift an sich verdeutlicht und “genutzt” werden sollten.
Es gab keine verbreitete Schriftkultur und die meisten Forscher*innen gehen u. a. wegen der beiden genannten Aspekte von einer heiligen Schrift aus, die Unheil abwehrende und magische Funktionen hatte. Daher lassen sich viele dieser kurzen Inschriften auf entsprechend bedeutenden aber auch alltäglichen Objekten finden, die mithilfe der Inschriften neben diesem sakralen Schutzeffekt ebenfalls wahrscheinlich repräsentativer wurden. Methodisch ist natürlich sehr problematisch, dass sich Inschriften auf organischem Material weitaus seltener erhalten haben als auf dauerhaftem Material, sodass unklar ist, welche ursprüngliche Anzahl angenommen werden kann.
Die Alphabetisierungs- bzw. Illiteralitätsrate bleibt jedoch weiterhin stark umstritten. Vermutlich konnten alle Germanen (und später Wikinger) die Runen als solche erkennen und verstanden die symbolische Bedeutung. Richtig lesen und schreiben konnten hingegen nur sehr wenige, wie anzunehmen ist die Priester, Priesterinnen und die Seherinnen.

Verweise:
Runenprojekt
Simek 2009, 32 f.

Erkämpften sich “die Germanen” ihre Freiheit gegenüber den Römern?

Kurze Antwort

Der Begriff der Freiheit ist natürlich sehr schwierig, da es keine einheitliche Definition gibt.
Aus römisch-germanischer Sicht ist wichtig, dass viele germanische Stämme mit den Römern Verträge schlossen, die meistens Militärbündnisse oder ähnliches beinhalteten. Das zeigt, dass die Germanen nicht völlig unabhängig von Rom waren. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Augustus plante, den mitteldeutschen Raum zu einer römischen Provinz zu machen. Viele Feldzüge und Lager aus dieser Zeit weisen darauf hin. Allerdings gaben die Römer den Plan spätestens 16 n. Chr. auf – Gründe dafür waren die wilde Natur, mit der die Römer nicht klarkamen, die fehlenden Städte und Herrschersitze, sodass die Römer keine Machtzentren übernehmen konnten wie bei den Kelten und letztendlich auch die militärischen Niederlagen. Sie verzichteten also auf Germanien, weil es sich ihrer Meinung nach nicht gelohnt hätte, mehr Ressourcen in die Einverleibung zu stecken. Es war also nicht der ‘Freiheitsdrang’ der Germanen, der sie abhielt.

Lange Antwort

Bei der Beantwortung dieser Frage spielt die althistorische Forschung eine sehr wichtige Rolle, da sie uns über Hintergründe, Gedanken und Politiken belehren kann. Dabei ist ausschlaggebend, dass die schriftlichen Quellen fast ausschließlich über die römischen und germanischen Eliten berichten, also uns kaum etwas über die Einstellung der ‘normalen’ Germanen erfahren lassen.
Die römischen Autoren, vor allem Caesar und Tacitus, schreiben, dass es innerhalb der germanischen Eliten (principes) der einzelnen Stämme oft romkritische und romfreundliche Lager gab. Dadurch war die politische Haltung eines Stammes gegenüber Rom davon abhängig, welches dieser Lager die Oberhand hatte, nicht etwa vom Freiheitsdrang des germanischen ‘Volkes’.
Dabei konnten die Motive für eine romkritische oder -feindliche Einstellung u. a. Verlustängste um die eigenen Machtpositionen bzw. um den eigenen Besitz, die Hoffnung auf Macht- bzw. Besitzzuwachs durch Einfälle oder Kriege gegen Rom und romfreundliche Stämme oder auch Fremdenfeindlichkeit sein. Die Motive für eine romfreundliche Position hingegen konnten z. B. militärische Vorteile durch den starken Bündnispartner, die Hoffnung auf römischen Luxus und das Einsetzen der indigenen Eliten in römische Machtpositionen sein. Insbesondere der letzte Punkt – das Versprechen und das Einsetzen der Stammesoberhäupter in römische Positionen – war eines der effektivsten Mittel der römischen Außenpolitik. Denn dadurch nahmen die Römer den bereitwilligen principes die Sorge um einen Machtverlust gegenüber den eigenen ‘Untertanen’ und durch die relative Souveränität in vielen Ämtern auch die Angst vor römischer Unterjochung.

Die meisten rechtsrheinischen Stämme schlossen Verträge mit Rom, teilweise wurden sie im Rahmen dieser Verträge linksrheinisch umgesiedelt und erhielten relative rechtliche Autonomie (ausgenommen gegenüber der römischen Obrigkeit) – meist unter der Prämisse, dass sie die Grenze gegenüber verfeindeten Stämmen verteidigten. Auch hierbei zeigt sich, dass die römische Außenpolitik sehr geschickt war: nur allmählich wurden die Stammesgesellschaften in das römische Staatssystem eingegliedert, was über 50 Jahre dauern konnte.
Die Quellen berichten uns des Weiteren, dass es immer dann Aufstände oder sogar Kriege von den germanischen Eliten ausgehend gab, wenn ein römischer Statthalter oder Kommandant zu schnell die Aufgabe der indigenen Kulturformen bzw. zu viel Abgaben oder Leistungen forderte. So soll es auch bei Arminius und den Cheruskern gewesen sein.

Ein ‘Volksaufständ’ o. ä. ist nicht nachweisbar, es handelte sich um einen Widerstand germanischer Eliten mit ihren Gefolgsleuten. Es bleibt also das Problem, dass nicht klar ist, welche Rolle bzw. Meinungen die ‘normalen’ Indigenen vertraten, da sie in den Quellen meist stumm bleiben und dies auch archäologisch nicht zu beantworten ist.
Außerdem ist bzgl. des Themas von großer Bedeutung, dass zwischen 16 v. und 9 bzw. 16 u. Z. unter Augustus die Konsolidierung des Raums zwischen Donau, Rhein und Elbe in das römische Reich geplant war, was letztendlich wahrscheinlich zu einer Provinzgründung führen sollte. Obwohl die Quellen bzgl. dieser politischen Pläne weitestgehend schweigen, berichten sie uns dennoch von mehreren Feldzügen und Expeditionen, die teilweise sogar bis über die Elbe hinaus gingen. Dass es sich aber nicht nur um militärische Operationen zur Sicherung der Rheingrenze handelte, sondern eben um langfristig strategisch durchdachte Agitationen mit dem Ziel der Einverleibung des mitteldeutschen Raumes ins Imperium, konnten erst archäologische Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte belegen. So sind mittlerweile mehr als zehn Marsch- und Expeditionslager in diesem Raum und aus der Zeit (datiert durch Denrochronologie und Numismatik) bekannt, zudem die berühmte kolonieähnliche Gründung von Waldgirmes.

 

Abb. 6: Der Plan der römischen Siedlung von Waldgirmes (Stand: 2009). Deutlich ist die römische Architektur zu erkennen. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Forum_Lahnau-Waldgirmes#/media/File:Gesamtplan_Grabung_%E2%80%9ER%C3%B6misches_Forum_Waldgirmes%E2%80%9C_%E2%80%93_Stand_2009.jpg (17.09.2018)

Jedoch zeigt sich, dass alle diese Anlagen noch in augusteischer Zeit endeten. Dies passt zu den schriftlichen Quellen, die nach der verheerenden Varusschlacht und späteren Niederlagen (bis 16 u. Z.) von keinem weiteren Feldzug aus diesem Kontext wissen. Laut diesen Quellen war eines der größten Probleme der mitteldeutsche Urwald, die vielen Sümpfe und insgesamt der für die Römer schwer passierbare Naturraum, aufgrund dessen es anscheinend nicht gelang, eine intakte und militärisch/wirtschaftlich nutzbare Infrastruktur zu errichten. Hinzu kamen noch militärische Probleme, wie z. B. durch die Varusschlacht verdeutlicht wird.
Zu beachten ist, dass die Forschungslage hier im Moment sehr im Umschwung begriffen ist und es sich in den nächsten Jahren mit zunehmender Auswertung und Publikation der Lager zeigen wird, ob die althistorischen Modelle stimmen.
Dementsprechend lag es vor allem an dem römischen Verzicht auf das Gebiet, dass das mitteldeutsche Germanien nicht römisch wurde. Hätten die Römer nicht so rational entschieden, sondern eine Einverleibung um jeden Preis gewollt, hätte sie kein germanischer Widerstand längerfristig hindern können. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass die Römer mit vielen germanischen Stämmen völkerrechtliche Verträge abschlossen, ist auch eine absolute politische Unabhängigkeit von Rom nicht mehr haltbar.
Zuletzt möchten wir noch etwas anmerken, dass uns bei der Beschäftigung mit dem Thema aufgefallen ist. Auch wenn es, hauptsächlich im 19. und 20. Jh., gern verklärt wurde, sollte der durchschnittliche germanische Mensch nicht als ‘frei’ bezeichnet werden, da die Gesellschaftsform stark hierarchisiert und ungleich war (s. 5.). Stattdessen zeigt sich, dass der neuzeitliche Diskurs über die Freiheit der Germanen, wenn auch nur die politische Unabhängigkeit gemeint ist, im neuzeitlichen und modernen Diskurs stets auf die Eliten bezogen wurde und wird. Auch die relativ junge althistorische Forschung fokussiert sich, gezwungen durch die Quellenbasis, hauptsächlich auf die machthabenden, ‘adligen’ Akteure (nur äußerst selten Akteurinnen). Selbstverständlich ist es unmöglich zu beleuchten, welche Meinung der gemeine germanische Bauer gegenüber den Römern oder seinen Stammesanführern hatte – aber dennoch wäre es wünschenswert, wenn in der Forschung mehr auf diesen Umstand hingewiesen werden würde.

Verweise:
Eck 2004, 30-77
Varusschlacht 2009

War der Limes die unumstößliche Grenze zwischen Römern und Germanen?

Kurze Antwort

Nö!
Der befestigte Limes zwischen römischem Reich und Germanien wird Obergermanisch-Rätischer Limes genannt. In mehreren Bauphasen entstand er zwischen ungefähr 100 und 170 u. Z. Er war jedoch keine undurchlässige Grenze, sondern diente vor allem der Kontrolle, wer und was rein und raus kam.
Das heißt, in beide Richtungen gab es Bewegungen: Handel, römische Feldzüge und auch Migration. Viele Germanen dienten im römischen Reich und viele Germanen lebten in den Grenzprovinzen. Man muss sich also das Grenzgebiet eher als einen breiten Streifen vorstellen, in dem sich römisches und germanisches Leben mischte.
Allerdings brach die Grenze ab dem 3. Jh. immer mehr zusammen, da die Germaneneinfälle zunahmen und das römische Reich viele andere Probleme hatte. In dieser Zeit nahm also allmählich der germanische Einfluss zu und die Grenze verschwand schließlich, genau wie das römische Reich.

Lange Antwort

Bei dieser Frage sollte zunächst einmal genauer betrachtet werden, was der Limes war. Im weiteren Sinne war limes das lateinische Wort für Grenze, sodass im antiken Sinn damit auch Flüsse oder nicht befestigte Grenzen gemeint sein konnten.
Im engeren Sinne hingegen bezeichnet der Begriff heutzutage eine befestigte Grenze mit effektivem Überwachungs-/Kontroll- und Verteidigungssystem und verbesserte Zolldurchsetzungen etc. Es gab in römischer Zeit nicht nur den Limes in Germanien, sondern auch in verschiedenen anderen Grenzprovinzen. Im Folgenden soll es jedoch nur um den Limes zwischen Rom und Germanien gehen.
Diese befestigte Grenze wird Obergermanisch-Rätischer Limes genannt und verband den Rhein bei Rheinbrohl über Arnsburg mit dem Main bei Großkrotzenburg sowie den Main bei Miltenberg über Lorch mit der Donau bei Regensburg. Somit schloss er das sogenannte Dekumatenland (zwischen Rhein und Donau) an das römische Reich an. Diese Einverleibung geschah sukzessive, d. h., die Grenze wurde von Südwesten aus immer weiter nach Germanien verschoben. Dazu ist wichtig zu wissen, dass der Limes nicht in einem großen Bauprojekt in seiner endgültigen Erscheinung errichtet worden ist, sondern über mehrere Bauphasen hinweg von ca. 100 (nach den Chattenkriegen) bis 170 u. Z. immer weiter ausgebaut wurde.

Abb. 7: Der Obergermanisch-Rätische Limes in seiner Blütezeit. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Obergermanisch-Raetischer_Limes#/media/File:Limes2.png (18.09.2018)

Allerdings darf man sich nicht von diesem Bild einer großen, undurchdringbaren Palisadenmauer täuschen lassen. Während der gesamten römischen Kaiserzeit, vor allem zwischem dem 2. und 4. Jh., waren Germanen und Keltogermanen (sowohl links- als auch rechtsrheinische) als Söldner und Auxiliare im römischen Heer aktiv. Nach ihrer Dienstzeit, welche meist 25 Jahre dauerte, kehrten viele zurück in ihre ursprünglichen Herkunftsgebiete und brachten somit römische Kulturelemente – materielle und ideelle – mit ins nicht-römische Germanien. Viele blieben aber auch in der Nähe ihres Einsatzortes, sodass sich ein germanischer Einfluss in den Provinzen zeigte. Auch am Handel (s. 3.) lässt sich erkennen, dass es insbesondere im Grenzgebiet beidseitig des Limes einen intensiven Austausch gab.
Zudem deuten weitere römische Aktivitäten jenseits des Limes nach 16 u. Z. (s. 9.) auf politische Interaktionen hin (jetzt aber nicht mehr mit dem Ziel der Provinzgründung).

Ein paar dieser Aktivitäten seien hier genannt:
-im Jahr 77 u. Z. wurde im Rahmen eines Feldzuges die brukterische Seherin Veleda als Geisel genommen

-von 83 bis 85 u. Z. wurden unter Domitian die Chattenkriege geführt, mit dem Zweck das Grenzvorfeld zu sichern und dabei die Wetterau zu erobern

-Der Kaiser Antoninus Pius ließ bei den Quaden einen neuen Herrscher einsetzen

-sehr wichtig waren die Markomannenkriege (166-180, später noch weiter unter Commodus bis 192), die der ‘Befriedung’ im Inneren Germaniens dienen sollten, also hauptsächlich den Druck auf die Reichsgrenze bzw. die Grenzprovinzen reduzieren sollten

-auch noch im 3. Jh. gab es unter Maximinus Thrax 235/6 einen Feldzug mindestens bis zum Harz

Dies zeigt, dass den Römern bewusst war, dass die komplette Isolation Germaniens durch eine Grenze nicht sinnvoll gewesen wäre. Rom musste stets in der Lage sein, schnell im Inneren Germaniens zu agieren, um große militärische oder migrantische Bewegungen zum römischen Reich hin zu unterbinden. Der Limes diente also vor allem dem Zweck, Kontrolle zu haben. Er ist eher als eine beidseitig durchlässige Membran in der Mitte einer großen und diffusen Grenzzone zu sehen. Dennoch konnte er natürlich die Provinzen vor kleineren räuberischen Germaneneinfällen schützen. Als aber ab Anfang des 3. Jh. dieses Einfälle zunahmen und anscheinend die Truppengrößen der Germanen größer wurden (s. 3. und 5.) wurde der Limes immer stärker belastet. Dies verschlimmerte sich durch die gleichzeitige Belastung des Reiches an der Ostgrenze (Parther/Sassaniden) sowie aufgrund innerer Probleme im Imperium. Infolgedessen wurde zwischen 260 und 280 das Dekumatenland wieder aufgegeben, wo sich dann die Alamannen ansiedelten.
Die Grenze wurde dann immer bedeutungsloser – letztlich siedelten sich germanische Gruppen auch im eigentlich römischen Gebiet an und begannen eigene Herrschaftssysteme zu installieren.

Verweise:
Meyer/Moosbauer 2013

Waren die “Germanen” die Vorfahren der Deutschen?

Kurze Antwort

Warum ist diese Frage in der deutschen Geschichte und auch heutzutage so wichtig? Kulturell lässt sich bis auf weniger werdende Elemente kein Fortleben der germanischen Kultur über die Völkerwanderungszeit hinaus nachweisen. Beispiele wären das Gefolgschaftssystem oder der regionale Adel. Zudem sind genetische Ansätze sehr problematisch.
Interessant ist, woher diese Idee der Abstammung stammt. Da die Germanen die ersten namentliche erwähnten Gruppen auf ‘deutschem Boden’ waren, war man insbesondere ab dem 19. Jh. mit zunehmender Ausprägung des deutschen Nationalbewusstseins auch in der Wissenschaft an den Germanen interessiert. Obwohl auch viele wissenschaftlich korrekte Ergebnisse über die Germanen gewonnen werden konnten, zeigt sich, dass sie sehr häufig, vor allem während des Ersten Weltkrieges und während der NS-Zeit, instrumentalisiert wurden, um entsprechende Ideologien zu unterstützen.
Leider lassen sich auch immer noch in der Forschung diese Vorstellungen einer germanischen Abstammung bzw. der Bindung der Germanen an ihren Boden in abgeschwächter Form finden. Dies ist sehr problematisch und führt dazu, dass verzerrte Germanenbilder auch aktuell noch verwendet oder sogar missbraucht werden. Man sollte sich also bei der Beschäftigung mit dem Thema immer selbst überprüfen, ob man nicht auch manchen problematischen Vorstellungen folgt.

Lange Antwort

Aus der germanischen Kultur der Kaiserzeit entwickelten sich die Großverbände, welche während bzw. nach der Völkerwanderungszeit die ersten historischen Reiche im mitteleuropäischen Raum etablierten. Insofern waren die Germanen ein sehr wichtiger Baustein für die Entstehung des europäischen Mittelalters. Jedoch sind diese späteren Entwicklungen nicht nur auf die Germanen zurückzuführen, sondern vielmehr führte erst der mediterrane und christliche Einfluss zum Mittelalter. Außerdem bestand im Mittelalter das ‘alte’ germanische Stämmesgefüge gar nicht mehr, da durch mannigfaltige Akkulturationen und Migrationen bereits in der Völkerwanderungszeit keine ‘rein’ germanische Kulturform, sondern nur noch verschiedenste Verschmelzungen bestanden.
Dieser kleine Exkurs soll lediglich zeigen, dass aus kulturhistorischer Sicht keine Kontinuität zwischen Germanen und späteren Deutschen postuliert werden kann, auch wenn bestimmte Kulturformen weitergetragen wurden (z. B. Gefolgschaftssystem, regionaler Adel, Sprachelemente, Fibeltracht). Jedoch ist dies hier eher als Aufhänger gedacht: es ist prinzipiell methodisch sehr problematisch von einer materiellen Kultur Rückschlüsse auf die Ethnizität bzw. ethnische Identität der Menschen dieser Kultur zu ziehen. Aber wieso ist diese Idee dennoch so populär? Woher kommt diese Idee und wie hat sie sich entwickelt? Hier soll allerdings der Fokus vorrangig auf der Forschungsgeschichte liegen, da wir keine umfängliche Darstellung des Germanenbezugs in der deutschen Geschichte liefern können, dies wäre einfach zu viel und zu komplex.

Die Vorstellung, dass es ein germanisches Volk und homogene Großstämme gab, stammt ursprünglich von Tacitus. Tacitus konstruiert in der Germania und in den Historien eine autochthone und gemeinsame Herkunft aller Germanen, die sich danach in verschiedene Stämme aufgliederten. Dieses Narrativ wurde von der aufkommenden seriösen (d. h., es gab schon früher Abhandlungen über Germanen, die allerdings kaum wissenschaftlichen Mehrwert hatten) Germanenforschung im 19. Jh. und Anfang des 20. Jh. wieder aufgenommen, was sich z. B. bei Gustav Kossinna zeigt, der in “Die Herkunft der Germanen” (1911) archäologisch nach den Istwäonen sucht. Entsprechend der antiken Autoren (die wissenschaftliche Quellenkritik war damals noch nicht sehr ausgeprägt) und dem nationalistischen Zeitgeist wurde dann ‘wissenschaftlich untermauert’ den Germanen ein einheitliches Nationalbewusstsein unterstellt. Im Laufe der Jahre wurde mit dem historischen Wandel und dem zunehmenden deutschen Nationalismus die Rückprojektionen auf die Germanen immer häufiger und intensiver. Als Ursachen dafür sind vor allem zu nennen, dass die Germanen für das Deutsche Reich natürlich geographisch sehr passend waren und es sich bei ihnen um das erste schriftlich erwähnte ‘Volk’ auf deutschem Gebiet handelte – die Kelten waren schon durch den französischen Nationalismus besetzt worden.

Auch während des Ersten Weltkrieges wurden die Germanen wissenschaftlich instrumentalisiert. So setzte man die Feinde mit den Römern gleich, wie bspw. bei T. Bieder: “Romanisches Mischblut verleugnet sich nicht, seien es vor zwei Jahrtausenden die Römer, seien es heute die Franzosen.” (Geschichte der Germanenforschung III, 1925).
Die Idee, dass es ein germanisches ‘Volk’ gab und dieses als Ursprung des deutschen ‘Volkes’ zu sehen ist, wurde also ab Anfang des 20. Jh. zunehmend durch die Wissenschaft getragen. Sehr wichtig dabei war die von Kossinna konstruierte ‘Volk-Boden-Bindung’, die ein wichtiger Bestandteil der späteren ‘Blut-und-Boden-Ideologie’ wurde. Dabei war seit Kossinna die ‘Homogenitätsprämisse’ ausschlaggebend: eine Kultur muss innerlich homogen sein und ist somit als ‘Volk’ anzusprechen. Es verwundert nicht, dass diese Narrative schnell Einzug in die Schulbildung fanden. Nichtsdestotrotz gab es auch kritische Forscher, die diese Vorstellungen in Zweifel zogen, wie E. Norden oder K.-H. Jacob-Friesen – leider wurden sie von ihren Zeitgenossen kaum rezipiert, obwohl sie quasi die modernsten Ansätze verfolgten.
Während der NS-Zeit erreichte der Germanenbezug sein Maximum und nahm absonderliche Formen an, die hier jedoch nicht ausgeführt werden sollen. Zu beachten ist, dass es in dieser Zeit ein dialektisches Verhältnis zwischen Politik und Germanenforschung gab, da erstere die Forschung forderte sowie förderte und die Wissenschaft mit den gewünschten Ergebnissen die Ideologie verfestigte, bspw. in Bezug auf die Abstammung oder auch indirekt bzgl. des Männlichkeits- und Kriegerideals. Allerdings wäre es fatal, alle Publikationen aus der NS-Zeit per se zu verteufeln: methodisch arbeiteten viele Forscher*innen sehr akkurat und viele (objektive) Ergebnisse waren und sind immer noch sehr bedeutsam. Problematisch wurde es dann meist bei der Ausdeutung der Ergebnisse. Trotzdem gab es auch viele Wissenschaftler*innen, die die Forschung direkt mit dem Ziel, den Nationalsozialismus zu unterstützen, betrieben. Bemerkenswert ist diesbezüglich z. B. das von Hermann Schneider formulierte Ziel “Germanisches im Heutigen [zu] entdecken” (Germanische Altertumskunde, 1939). Überraschend ist, dass dieses Werk noch in den 1970ern von Gerhard Mildenberger als wichtigstes wissenschaftliches Werk über die Germanen gelobt wurde.
Ebenso schockiert es, dass in der BRD ein Wandel in der Germanenforschung und somit auch langsam im gesellschaftlich getragenen Germanenbild erst ca. 25 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzte, was im Zusammenhang mit einem Generationswechsel zu sehen ist. In der DDR hingegen fiel die Germanenforschung bis Ende des 1960er quasi komplett weg. Danach entwickelte sich wieder eine solche, wobei sie keine starken völkischen Bezüge aufwies, stattdessen aber mit sozialistischen Ansätzen versehen wurde, die leider auch oft verzerrend wirkten.
Desgleichen finden sich heutzutage immer noch sehr problematische Ansätze und Modelle bzgl. der Germanen in der Forschung. Vorrangig fallen die Indogermanistik und die nordische/germanische Philologie auf (s. 6.), insbesondere wenn es um die Kulte der Germanen geht. So schreibt Edgar Polomé, dass Caesar für die Germanen einen “altererbten Sonnenkult” der nordischen Bronzezeit beschreibt (Polomé 1992, 169), was aber weder archäologisch noch quellenkritisch haltbar ist. Und auch Arnulf Krause behauptet: “…im Norden lebten seit Jahrtausenden Menschen, die als Vorfahren der Germanen bezeichnet werden dürfen” (Krause 2016, 35). Es wird umso schlimmer, wenn man sich vor Augen hält, dass z. B. aufgrund der Populärwissenschaftlichkeit von Krauses Buch diese Ideen, die nah verwandt mit einer Blut-Boden-Ideologie sind, öffentlich verbreitet und rezipiert werden.

Ein extremes Beispiel dafür ist die neofaschistische Szene. Seit den 1980er Jahren wurde im Rahmen der Entwicklung neonazistischer Gruppen, Netzwerke und Ideologien von diesen der Wikinger- und Germanenkult wiederentdeckt, wobei eindeutig davon ausgegangen wurde, dass die rezente ‘weiße Rasse’ bzw. eben jene rechten Gruppen von diesen abstammten. Interessanterweise nahm diese Entwicklung ihren Ausgang in Großbritannien, wurde dann aber schnell in Mittel- und Nordeuropa verbreitet (in Osteuropa erst nach 1990). Dies verdeutlicht, dass die aktuelle Ideologie der germanischen Abstammung intensiv in Neonazi-Kreisen propagiert wurde, aber nicht als rein deutsches, sondern als europäisches Phänomen zu verstehen ist (zudem findet sich die Ideologie z. B. in den USA, Australien, Kanada, Südafrika). Dies hier zu thematisieren scheint uns notwendig, da nachweislich viele der Reenactment-Gruppen, welche Germanen, Wikinger etc. darstellen, personelle oder auch inhaltliche Überschneidungen mit der rechten Szene aufweisen (berühmtestes Beispiel: Ulfhednar). Erst recht ist es erschreckend, dass teilweise immer noch in Museen, Dokumentationen und schulischen Bildungsangeboten solche mindestens rechtsoffenen Gruppen auftreten können und somit ein verfälschtes Germanenbild in die Öffentlichkeit bringen können, z. B. wird die Religiosität der Germanen entgegen der wissenschaftlichen Erkenntnis stark mystifiziert, romantisiert und mit völkischen Ideen erweitert.
Deshalb wollen wir an alle Wissenschaftler*innen appellieren: es ist notwendig über jede Zusammenarbeit mit bestimmten Gruppen zu reflektieren! Außerdem wäre es wichtig, Filmemacher*innern, Lehrer*innen, Journalist*Innen usw. diesbezüglich aufzuklären. Das heißt aber auch, dass mehr Interaktion mit der Öffentlichkeit und klare politische Stellungnahmen gegen rechte Vereinnahmung der Vergangenheit und der Archäologie unabdingbar sind.
Zuletzt seien noch ein paar Gedanken zu der Frage angeführt, die wir noch nicht thematisiert haben. So stellen wir uns die Fragen, was bzw. wer überhaupt Deutsche sind und was unter Vorfahren zu verstehen ist? Natürlich kann man hier die Genetik ins Spiel bringen, die wir bisher außen vor gelassen haben. Aber auch diesbezüglich wurden schon sehr viele gute Kritiken verfasst, sodass wir hier nicht vertiefen wollen. Zu fragen ist, warum sich die Idee der Vorfahren bzw. Abstammung nicht auf Linearbandkeramiker, Glockenbecher-Menschen, Aunjetitzer usw. usw. bezogen hat bzw. sich immer noch bezieht? Und interessant ist weiterhin, warum es anscheinend ein Bedürfnis gibt, sich auf längst vergangene Kulturen mit der eigenen Identität zu berufen. Diese Fragen sind sehr komplex und sicherlich auch unbequem. Wir finden es dementsprechend umso wichtiger, sich sowohl in der Fachwelt als auch in der Gesellschaft darüber auszutauschen.

Verweise
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Brather 2009, 1
Günnewig 1998, 181-254
Halle u. a. 2013
Krause 2016
Lund 1991, 1872 f.
Polomé 1992

Literatur- und Linkangaben

Hinweis: die wissenschaftliche Literatur zum Thema ist bei weitem nicht vollständig angegeben, aber die verwiesenen Werke, sollen der*dem Interessierten einen guten und aktuellen Einstieg in dieses Forschungsfeld ermöglichen

Tac. Germ.
Publius Cornelius Tacitus, De origine et situ Germanorum liber. Germania. Lateinisch/Deutsch. Hrsg. und übers. von M. Fuhrmann (Stuttgart 1972).

Banghard 2016
K. Banghard 2016 https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%E2%80%9Eliving-history%E2%80%9C-0 (20.06.2018).
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