Über Aussichten in der Archäologie

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Oder „when did Optimism become uncool“?

Die Zeiten haben sich geändert, zumindest größtenteils in der westlichen Welt. Viele von uns haben heutzutage die Möglichkeit, sich die Frage nach erfüllender Arbeit stellen zu können.

Früher war ein Großteil der Menschheit durch die bloße Sicherung ihrer Existenz stark in Anspruch genommen. Und mit früher meinen wir natürlich nicht in der Bronzezeit, sondern ein paar Generationen vor uns. Die Frage, ob Arbeit sinnvoll und erfüllend war, wurde selten gestellt, denn in den meisten Fällen ging es um Sicherheit.

Oft vergessen wir das! Dass wir die Möglichkeiten haben, eine Arbeit zu suchen die uns erfüllt, inspiriert und glücklich macht.

Doch viele fühlen sich von dieser Freiheit eher bedrückt als befreit. Mittlerweile spricht man sogar von der Quarterlife-Crisis, nämlich die Krise zwischen dem 21. Und 29. Lebensjahr, verursacht durch die endlosen Wahlmöglichkeiten und durch das schnell veränderte Umfeld.

Das alles spielt auch eine Rolle in der Archäologie. Die Anzahl der Arbeitsplätze in der Archäologie in den letzten Jahrzehnten ist massiv gestiegen. Das wollen wir kaum glauben, denn die Idee, dass früher alles besser war, klingt verlockender. Dazu kommt, dass nie zuvor so viele Menschen die Möglichkeit Archäologie zu studieren hatten und sich für Jobs, die so eine Qualifizierung benötigen, zu bewerben. Was gleichzeitig mehr Konkurrez bedeutet!

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Das Thema Sicherheit und Geld ist natürlich längst nicht vergessen! Eine europaweite Studie ergab, dass 60% der Befragten einen anderen Beruf wählen würden, wenn sie noch einmal von vorne anfangen könnten. Und das gilt auch für die Archäologie: oft lesen wir in Foren oder auf den Sozial Medien, wie enttäuscht alle von den Aussichten ihres Studiums sind. Es gibt genug Gründe dafür und alle diese Sorgen müssen erst genommen werden.

Aber passiv zuzuschauen ist nicht die Lösung. Die Archäologie befindet sich vor einem umfangreichen gesellschaftlichen Wandlungsprozess. Hier gilt klug zu handeln, wenn wir weiterhin ein integraler Bestandteil der Gesellschaft sein wollen. Wir sollten uns  mit angemessenen finanziellen, personellen uns strukturellen Ressourcen ausstatten.

Die Tübinger Thesen zur Archäologie können zur Debatte anregen. Aber nicht nur sie allein! Alle unsere Meinungen und Kritiken sollten in dieser Debatte wahrgenommen werden und zur Ergebnisse führen.
Wir müssen bereit sein, neue Lösungen für neue Problematiken gemeinsam zu entwickeln.
Was machen wir richtig? Was machen wir falsch? Was können wir verändern?

Bitte hinterlässt Eure Kommentare!
Wir freuen uns auf Eure Meinungen -aber auch auf Eure Ideen und Vorschlägen! Wir werden versuchen, sie zusammenzufassen für eine weitere Diskussion.

Ein Kommentar

  1. Lösungswege habe ich (noch) nicht. Aber vielleicht das optimistische Gegenbeispiel:

    1998 habe ich mein Studium in Bonn mit dem Magister abgeschlossen und ziemlich im Anschluss direkt Anstellungen als Schnitt-/Grabungsleitung gefunden. Aber wie das in der Archäologie halt so war/ist alles schön projektbezogen und somit mit regem Zugvogel-Leben verbunden. Nach ein paar Jahren hatte ich die Nase voll davon (vielleicht auch, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade meinen heutigen Mann kennen gelernt habe) und habe komplett umgesattelt und bin nach Zweitausbildung in die Dienstleistungsbranche gewechselt.

    Das hat irgendwo auch Spaß gemacht, aber ich habe mich nie wirklich von der Archäologie lösen können und schon vor der Geburt der Kinder erstmals versucht nun hier in Bayern bei einer der hier tätigen Grabungsfirmen Fuß zu fassen. Damals noch ohne Erfolg. Drei Jahre später, als es dann um den Wiedereinstieg in das Berufsleben ging, versuchte ich mein Glück nochmal. Diesmal aber eigentlich unter deutlich erschwerten Bedingungen: mit 2 kleinen Kindern habe ich einen sehr eingeschränkten Wirkungsradius und kann auch nur halbtags. Dennoch arbeite ich nun schon die zweite Saison wieder als Archäologin! Und laut Aussage meines Mannes hat er mich selten so ausgeglichen erlebt – das gilt sogar für so richtige Schittwetter-Tage, an denen man bis zu den Knien im Matsch steckt. Scheint halt doch so etwas wie Berufung zu sein 😉

    Ansonsten versuche ich auf freiberuflicher Basis zusätzlich ein wenig zu einer zukünftigen besseren Akzeptanz der Archäologie in der Bevölkerung beizutragen, in dem ich mit meinem Angebot ErlebnisArchäologie in die hiesigen Kindergärten und Schulen gehe und schon früh Kinder für Geschichte und Archäologie sowie ihre Bedeutung für unsere Gesellschaft zu interessieren und zu begeistern versuche. Denn wie war schon früher mein Motte: „Die Kinder von heute, sind die Entscheider von morgen“. Und wenn wir die auf die Seite der Archäologie ziehen können, dann ändert sich vielleicht heute für uns noch nichts, aber die nächste Generation von Archäologen könnte davon profitieren.

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