Interview- Citzien Science Archäologie

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Interview- Citizen Science Archäologie

Anarchaeologie.de im Interview mit Sepp Albrecht, über die von ihm betreute Website   und seine ehrenamtlichen Tätigkeiten im Kurpark von Bad Krozingen. Dort errichtete u.A. Sepp Albrecht im ein mittelneolithische Haus der Rössener-Kulturstufe.

Sepp Albrecht war als Hauptbrandmeister bei einer Berufsfeuerwehr und als Bauzeichner tätig und beschäftigt sich heute mit archäologischen Fragestellungen.

 

Frage 1: Wie sind Sie zur Archaoelogie gekommen?

S. Albrech:Durch Zufall: durch den Fund einer Münze die sich später als aus römischer Zeit stammend heraus stellte, sowie weitere Funde aus neolithischer Zeit. Dadurch kam ich mit dem Landesdenkmalamt Freiburg, zusammen deren ehrenamtlicher Mitarbeiter ich seit ca. 20 Jahre bin.

Frage 2: Wie sind Sie zu ihrem Projekt gekommen? Und wer ist noch darin involviert?

S. Albrecht: In Bad Krozingen, meinem Wohnort, wurde im Rahmen der Agenda 2010, die Bürger aufgefordert Ihre Projektwünsche vorzustellen. Ein Vorschlag beinhaltete einen archäologischen Wanderweg einzurichten. Dazu stellte ich meine Arbeit über den neolithischen Hausbau vor. Man war sich einig, dass ich solch ein Haus im Kurpark von Bad Krozingen errichtet werden sollte. Beteiligt waren: Als Bauherr und Finanzgeber Kur und Bäder G.m.b.H. Bad Krozingen, Forstamt, Bauamt, Mitarbeiter vom Bauhof, Bauzeichnung und Baueingabe selbst,und der Sturm Lothar der das Fällen der Bäume übernahm

 

 

Frage 3: Wie kam der Schritt der Hausrekonstruktion zustande und auf welche Quellen berufen Sie sich dabei?

S. Albrecht:Wenn man das Glück hat eine Bandkeramische Siedlungstelle zu betreuen, galt mein Interesse neben den anderen Aspekten, dem neolithischen Hausbau. Was durch meinen Beruflichen Hintergrund als Bauzeichner nicht ungewöhnlich sein dürfte. Was zu meinem Projekt geführt hat war, dass keiner der in der Literatur beschriebenen Versuche die Häuser in der 3.Dimension darzustellen, der Wirklichkeit nicht entsprechen kann. Beginnend bei: Lepenski Vir, Prof . Stejovic Lepenski Vir, P.J.R. Moderrman, C.J Kind,1989,Ulm Eggingen, und im Besonderen Helmuth Luley, des Urgeschichtlicher Hausbau, 1992,Band 7, Beschreibung und Konstruktion, entsprechen nicht der Wirklichkeit.

 

Frage 4: Inwiefern entsprichen diese nicht „der Wirklichkeit“?

S. Albrecht: Um diese Frage beantworten zu könnnen, muss ich etwas weiter ausholen. Alle durchgeführten, sowie zeichnerisch oder in Nachbauten im Maßstab 1:1 wurde immer ein vorhandener Befund als Grundlage zur Durchführung angenommen. Wenn Sie auf meiner Webseite, Hausbau der Bandkeramik auswählen und meinen fiktiven Grundriss ansehen, stellen Sie fest dass die Ständerpfosten in Querrichtung, unterschiedliche Abstände aufweisen. Dies ist eine Feststellung die auf alle tatsächlichen bisher ergrabenen Befunde zutrifft. Ich habe die unterschiedlichen Abstände mit 0-X-X-O gekennzeichnet.Wenn die Pfetten nun so wie üblich mittig auf den Pfosten dargestellt, befestigt wurden, was in den meisten Aufsätze so erklärt wird, muss einmal die Höhe der Pfosten, im Verhältnis zu einer gleichmäßig geneigten Dachflächen unterschiedlich sein. Wie würde gemessen? Sind die Pfosten in einer Pfostenreihe gleich hoch, was die Höhenmaßfindung erleichtern würde, entstehen wegen den unterscheidbaren Abständen der Pfosten, unterschiedlich geneigte Dachflächen d.h. Nicht der Befundabstand bestimmt den Aufbau sondern der konstruktive Abstand der Pfetten. Das entspricht den Gesetzmäßigkeiten am Bau. Um den konstruktiven Abstand einzuhalten können die Pfetten nicht über, sondern nur neben den Pfosten befestigt werden( Zeichnung). Im Neolithikum gibt es aus zimmereitechnischer Sicht, nur eine Möglichkeit :“ Sie in seitlich austreibende Astgabeln zu legen. Rechts oder links gedreht gleichen sie die unterschiedlichen Abstände dervPfostensetzungen aus, das dann den in der Zeichnung festgelegten Abstand X-X-X-X. ergibt. Der Aufbau kann wie gezeigt deshalb in Abschnitten erfolgen, was wiederum mit den meisten Darstellungen im Widerspruch steht. Es sind deshalb relativ kurze Abstände, so dass auch mit wenig Personal und ohne Mühe der Transport der kleinteiligen Bauteile erledigt werden.

Kein Autor der über den Aufbau solcher Häuser berichtet hat, wie z.B. Die Bandkeramiker ihre Abmessungen der Pfostenlängen bestimmt haben. In der Zeichnung zum Aufbau sind alle Maße mit X bezeichnet im gleichen Abstand. Ich habe dazu schon geschrieben : “ Das Maß das der. Mensch sowohl im Wald als auch an der Baustelle verwendet hat, hätte er immer bei sich“sich selbst“ Außenwandhöhe 1 Grundmaß… Mittelhöhe 2 Grundmaße… First 3 Grundmaße… erste Höhe Quer 4 Grundmaße… Mittlere Höhe Quer 2 Grundmaße… Sparrenlänge 4 Grundmaße.

Mit dieser Maßmethode sind auch das entstehen der gleichartigen aber nicht maßgleichen Befunde zu erklären, was in keiner mir bekannten Veröffentlichung so erklärt wurde.

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Frage 5: Haben Sie für die Hausrekonstruktion mit modernen Hilfsmitteln gearbeitet?

S. Albrecht:Da die Werkzeuge und Arbeitsweisen zum bearbeiten von Holz weitestgehend bekannt sind, habe ich moderne Geräte eingesetzt. Wobei die für diese Zeit bekannten Holzverbindungen für den Hausbau, eingesetzt wurden. Die Pfostenlöcher für die Tragkonstruktion wurde mittels Bagger ausgehoben, wobei die Lochtiefen durch die Restlängen der Pfosten bestimmt wurde und so unterschiedliche Eingrabtiefen entstanden genau wie Sie auch in Originalbefunden bekannt geworden sind.

 

 

Frage 6: Wie lange hat es gedauert die Rekonstruktion aufzubauen und wie viele Personen waren darin involviert?

S. Albrecht:Während der Vorbereitungsphase hatte ich einen Helfer. Die tägliche Arbeitszeit Betrug zwischen 3 und 5 Stunden und zogen sich über 3 Monate hin. Erst in der Endphase, zum auflegen der Firstpfettenteile benötigten wir 3 weitere Helfer. Das Auflegen der Sparren und Aufbinden der Steghölzer zum befestigen von Schilfmatten noch mal eine Woche mit insgesamt 3 Helfer. Das Grundgerüst war fertiggestellt. Die Gesamtzeit zum errichten, des Gebäudes betrug 4 Monate im wesentlichen mit 1-2 Helfer. Das Ziel des Experimentes war erreicht, die angewendete Methode auf Menschenmaß bezögen, ergab die gleiche Grundform, wie sie unsere neolithischen Vorfahren auch erzeugt haben. Die Restarbeiten wie das Schilfaufbringen diente lediglich dazu das Haus publikumswirksam fertigzustellen.

Frage 7: Wie kam der Schritt zustande mit dem Projekt online zugehen?

 S.Albrecht:In der gesamten mir bekannten Literatur war kein ähnliches Beispiel zu finden, wo unter Einhaltung von baulichen Gesetzmäßigkeiten, Hausformen, also das äußere Erscheinungsbild, in der dritten Dimension, logisch erklärt beschrieben. Im Versuch dies bildlich oder gar im Maßstab 1:1 darzustellen wurde als Grundlage ein Befund ausgewählt, um die Höhenentwicklung nachvollziehbar darzustellen. Um ein bisschen näher darauf einzugehen, ist es notwendig zu wissen, dass die Neolithiker keinerlei Maßkenntnisse in Form von Meter oder cm, noch einen Dachneigungswinkel vorher bestimmen konnten. Beim errichten eines Hauses haben die Menschen keine Befundspuren vorgefunden. Also ist die Frage wie entstanden eigentlich die systemgleichen Befunde, wie sie in ganz Mitteleuropa angetroffen wurden? Die Antwort kann nur lauten weil sie die gleiche Baumethode angewendet haben. Das notwendige Konstruktivmaß hatte der Mensch der sein Haus baute immer dabei! „Sich selbst.“ Der Architekt Ernst Neufert schrieb in seiner Bauentwurfslehre den einprägsamen Satz: „Dinge werden vom Menschen geschaffen um ihm zu dienen, Maße und Größe dieser Dinge sind sind daher Menschengerecht.“
Mein Entschluss online zu gehen, ist dadurch zu begründen, dass die meisten Archäologen die Berichte über den neolithischen Hausbau veröffentlicht haben, grundsätzliche Dinge wie z.B. die Gesetzmäßigkeiten am Bau, die zu allen Zeiten Gültigkeit haben, nicht beachteten. Des Weiteren wie eigentlich die bautypischen Befundspuren entstanden sind und welche Auswirkungen die Veränderungen dieser Befunde auf die Hausformen gehabt haben. Die Webseite wurde von mir erstellt und betreut. Die Texte wurden von mir selbst verfasst, ebenso die zur Erläuterung wichtigen Konstruktivzeichnungen.

Frage 8: gibt es vor Ort, im Kurpark, Informationstafeln oder Führungen?

S. Albrecht: Wie der Name schon sagt sind wir ein Kurort. Die Besucher und Kurgäste haben nicht immer Zeit, zu den Öffnungszeiten des Museums dieses auch zu besuchen. Deshalb haben wir neben dem Stadtmuseum noch zahlreiche innerörtliche frei zugängliche Anlaufstellen mit Infotafeln über archäologische sowie stadtgeschichtliche Informationen vorhanden. An verschiedenen archäologisch untersuchten Fundpunkten sind die Befunde erhalten und mit Schautafeln versehen. So gibt es einen aus Felsziegel erbauten Römerkeller, einen römerzeitlichen Brunnen, sowie einen Römerradweg, der auf den Spuren der Römer durch das Markgräfler Land führt und mit Infotafeln versehen. Im Kurgarten II, einem Neubaugebiet, ist ein kleiner Römerpark eingerichtet wo die Grundmauern von einem Gutshof, sowie Schautafeln, der auch Hinweis über ein Spätbronzezeitliches Grab gibt, zu besichtigen. Im Ortsteil Biengen ist der Merowingerpark eingerichtet. Ein Hügelgräberfeld nach originalen Grabungsbefunden nachgebildet. Der Förderverein Museum Bad Krozingen führt in Zusammenarbeit mit dem Breisgau Geschichtsverein in unregelmäßigen Abständen, Exkursionen, an umliegende Fundstellen, so u.a. zum Teufelsgrund einer Wohnstätte eiszeitlicher Jäger, so auch an andere kulturgeschichtlich bedeutsame Orte. In Bollschweil einem Nachbarort, wo die Reste einer freigelegten Burgruine zu begehen ist, wird auf Tafeln und einem Rundgang, über den mittelalterlichen Silberbergbau berichtet. Derzeit läuft dazu eine Sonderaustellung im Stadtmuseum. Zu meinem Projekt gibt es leider nur noch im Museum Informationen, wo ich gelegentlich im Zusammenhang mit Museumsdienst Führungen veranstalte.

 

 

Frage 9: Wie geht es mit dem Projekt weiter?

S.Albrecht:Zur Frage wie geht es mit dem Projekt weiter. Das Projekt als solches wurde eingestellt. In der Zwischenzeit wurde durch die Stadt, Abteilung Kulturamt, ein Museumsraum wo unter meiner Mitwirkung und Mitgliedern der Agenda 2010 als erstes eine Ausstellung über das Leben im Neolithikum gezeigt.Neben zahlreichen Fundstücken, wurde an Hand von Modellen die nach der von mir erdachten Methode gebaut wurden, als Demonstrationsprojekt gezeigt.

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