Wer sind wir Teil 2

Die Idee der Plattform Anarchaeologie: lange Version Enstehungsgeschichte….

Wie sind wir eigentlich auf die Idee gekommen diese Plattform aufzubauen?

Wie jede gute Idee beginnt auch unsere, mit einigen gemeinsamen Abenden in einigen Bars auf St.Pauli, Hamburg, vor einigen Jahren (ca. 2014). Wir beide (James und Sophie) waren schon eine Weile gute Freunde, Kommiliton*Innen und waren neugierig, ob wir es schaffen würden eine unserer vielen Ideen umzusetzen. Klar war, dass wir gerne zusammen ein Projekt starten wollten. Mit diesem Projekt wollen wir einen Raum aktiv gestalten, in dem wir uns bis dahin als Nutzer*Innen bewegt haben. Der digitale Raum.

Klar war auch, dass wir gerne unsere Studieninhalte der Prähistorischen Archäologie in dieses Projekt mit einbeziehen wollten.

 

Warum (so) politisch?

Uns war und ist bewusst, dass wenn wir eine digitale Plattform generieren und diese mit archäologischen Inhalten füllen, dieses in einer Mehrfachfunktion tun (als Privatpersonen, als Freunde und als Archäolog*Innen). Das ausgegebene Ziel ist nicht mehr und nicht weniger als das Aufzeigen des politischen Charakters der Wissenschaft im Allgemeinen und den Archäologien im Speziellen. Wenn wir einen Blog/ eine Plattform/ eine Website (oder was auch immer) über Archäologie gestalten wollen, dann soll diese  mit gängigen Klischees aufräumen und die Diskrepanz der archäologischen Forschung und der Rezeption bzw. Vermittlung und Kommunikation archäologischer Ergebnisse zum Thema haben.

 

Was wollten wir denn genau machen?

Wollen wir eine App basteln? Wollen wir Archäologie-Merchandise anpreisen und schauen, ob es dafür einen Markt in Deutschland gibt? Wir begannen also zu recherchieren, was andere Archäolog*Innen in diesem Bereich machen und stießen auf großartige Formate wie z.B. Archaeosoup. , Prähistorische- Archäologie  ,Archaeologik.

Neben unserer noch nicht ganz ausgereiften Idee, ging unser normales Leben weiter. Studium, Privatleben, neue Jobs, neue Lieben, neue Länder. Unsere Recherchen gingen aber weiter. Durch  diese stießen wir nach und nach auf immer mehr auf kommunikative Missstände über und innerhalb der Archäologie. Das gängige Bild über Archäologie, geprägt durch Filme, Dokus und Ausstellung ist das der Abenteuer*in und Schatzsucher*in Vermeintlich exotische Auslandsabenteuer, spektakuläre Einzelfunde, Gold, Geheimnisse es voller Superlative und die Protagonisten sind Männer. Wir waren mehr als irritiert – war doch unser eigenes Studium und das was wir über die berufliche Welt wahrgenommen hatten eher recht trockene Wissenschaft. Teils jahrelange Detailarbeiten an und in Computern und Datenbanken, Grabungen oder Surveys werden mit wenig Geld, dafür aber mit viel vermeintlichen Prestige vergolten.  Unserer Erfahrungen hatten nichts mit exotischen Abenteuern zu tun, sondern eher mit prekären Arbeitsbedingungen.

 

Die Idee wird konkreter!

Somit war die Idee bereits gefestigt: wir wollten weg von den Superlativen in der Wissenschaftskommunikation und hin zu einem Offenlegen von Methoden, Konzepten und Theorien. Eine Kommunikation, die überwiegend mit Sensationalisierungen spielt und Einzelfunde als das „wichtigste“, „älteste“, „beste“ verkauft, fördert nicht die Sensibilisierung gegenüber Kulturgüterschutz. Deswegen haben wir ein Videos über Methoden, Vorgehensweisen und beruflichen Alltagssituationen von Archäolog*Innen erstellt.

In diesem Moment haben wir uns ein großes Stück weg von der Idee des Verkaufs von Merchandise-Artikeln bewegt, weil uns zunehmend bewusst wurde, dass wir eine Nachfrage befriedigen würden, die sich viel auf die gängigen Indiana Jones/Lora Croft Klischees bezieht. Stattdessen wollten wir ein Angebot erstellen, bei dem die Möglichkeit besteht Wissen zu teilen, und zu beobachten, ob und wie es angenommen wird.

Wir wollten verschiedenen Öffentlichkeiten die Möglichkeit geben durch unsere Inhalte selbstständig in der Lage zu sein Archäologie bzw. archäologisches Forschen zu verstehen, bzw. Ansätze für ein mögliches Verständnis zu liefern und dadurch mit dem Superlativismus zu brechen. Inzwischen war es ungefähr 2015; wir waren uns sehr sicher, dass wir den Schritt wirklich wagen wollen würden und gerne ein Projekt ausprobieren wollten.

 

Die Frage an uns war inzwischen, wie können wir möglichst viele Interessierte erreichen mit unseren Inhalten über Methoden, Konzepte und Theorien in der Archäologie?

Die Antwort war so einfach wie offensichtlich: über Videos. Videos bieten im Gegensatz zu Texten die Chance über mehrere Sinne Inhalte zu transportieren. Wir diskutierten lange, ob wir unsere Gesichter offen zeigen wollten. Allerdings kamen wir schnell zu dem Schluss, dass es uns darum überhaupt nicht geht. Es ist eigentlich egal, wie wir aussehen oder heißen. In unserem Projekt geht es um die Grundidee: Archäologie einfach für möglichst viele auf attraktive (d. h. auch lustige, etwas verspielte) Art und Weise zu kommunizieren. Es geht nicht um uns als Personen, sondern um eine Idee, die jahrelang gereift ist.

Wir entschieden uns für animierte Videos, die wir auf Youtube hochladen wollten, denn dort war und ist es möglich, dass  Interessent*Innen unkompliziert Fragen zu Videos stellen oder Kritiken bzw. Anregungungen an uns schicken können. Genauso konkretisierten wir 2016 unsere Philosophie: Dezentralisierung von Wissen, Transparenz in der Kommunikation (wer wir sind), wer die Interessensgruppen sind, welche politischen Einstellungen wir teilen und was in unseren Augen möglich ist archäologisch zu erforschen.

Wo liegen Barrieren?

Wir waren inzwischen sehr tief in die Barriere- und Kommunikationsforschung eingestiegen. Wo liegen Barrieren? Wie lassen sich diese umgehen?

Außerdem begannen wir beide ein zusätzliches Studium über Museumsmanagement und spezialisierten uns dort auf digitale Strategien, Content Strategien und profitieren bis heute davon.

Dadurch, dass wir kein kommerzielles Projekt sind und nicht eingebunden in bestehende Institutionen können wir uns etwas freier in unserer Themenwahl bewegen und Strukturen benennen, wenn sie uns stören ohne sofort negative Konsequenzen zu haben (da wir finanziell nicht abhängig von diesem Projekt sind) – allerdings bewegen wir uns ja auch in Berufswelten und eben dadurch, dass wir uns digital äußern machen wir uns etwas angreifbarer bzw. fassbarer. Wir sind uns diesem Spannungsfeld bewusst und haben uns trotzdem für unser Projekt entschieden, weil wir daran glauben, außerhalb der etablierenten Kanäle progressive Inhalte zu verbreiten..

Die Plattform Anarchaeologie.de zu bespielen mit all ihren sozialen Medienkänalen ist absolut zeitintensiv und gelingt uns nicht immer im gleichen Umfang…das wir natürlich auch studieren, publizieren, jobben usw.

 

 

Wie kann barrierearme Kommunikation funktionieren?

Diese Frage tauchte in unseren Köpfen immer und immer wieder auf. Wer ist eigentlich „diese“ Öffentlichkeit? Ist sie die homogene Gruppe durch diesen sie den Begriff Öffentlichkeit suggeriert wird?

Nein, natürlich nicht!

Für uns ist “diese Öffentlichkeit” jede*r, der*die ein Interesse verspürt sich näher mit der Archäologie auseinander zu setzen. Trotzdem war und ist uns klar, dass wir mit unseren Angeboten, die nach wie vor Barrieren aufweisen, nicht alle erreichen können oder wollen.

Der Ansatz war, für alle Interessierten viele kleine Punkte zu schaffen, am denen sie sich weiter über Archäolögie(n) informieren können, wenn sie wollen.Wir verstehen uns eher als Sammelpunkt für diejenigen, die bereits ein Interesse an den archäologischen Disziplin haben, aber gerne mehr über dahinterliegende Konzepte, Methoden oder Theorien erfahren wollen, aber z.B. neben Arbeit/Ausbildung/Studium/Familie wenig Zeit aufbringen können, um die Grundlagen komplett selbstständig in Eigenrecherche erarbeiten zu können/oder wollen.

Somit bildet Niedrigschwelligkeit der Inhalte die Grundlage unserer Arbeit, damit möglichst viele Personen in der Lage sind unsere Inhalte zu verstehen und auch sie zu kritisieren. Das soll einerseits zu einer wirklichen Partizipation aller interessierten Menschen führen, und andererseits wirkt es auch dem sensationsheischenden Bild entgegen, das oftmals von der Archäologie vorherrscht.

 

Kooperationen und Austausch

Es gibt Einzelpersonen und Gruppen, die uns von Beginn an unterstützt haben und Mut gemacht haben.

Dazu zählt vor Allem die DGUF, die von Beginn unseres Projektes an freundlich unterstützend und konstruktiv kristisierend war und ist. So haben wir bereits kleine Projekte mit dem DASV, der Cifa Deutschland, den Bergischen Historikern, der AG TidA sowie einem Seminar an der FU Berlin realisiert, und eine Partnerschaft mit Miss-Jones.de aufgebaut. Im November 2018 werden wir zusammen mit der AG Theorien in der Archäologie einen Workshop zu anarchistischen Theorien anbieten.

 

Artikel und Vorträge

Bisher haben wir zwei Artikel über unsere Arbeit veröffentlicht und einen öffentlichen Vortrag  gehalten. Weitere Vorträge und Veröffentlichung sind in Planung. Warum tun wir das? Wir vertreten die Philosophie angelehnt an den Tübinger Thesen, dass Blogger*Innen und Wissenschaftskommunikationen mehr Ansehen genießen sollen, da sie die Schnittstelle bilden, zwischen Öffentlichkeiten und Wissenschaft und aktiv am Außenwahrnehmung des Faches mit arbeiten. In unseren Augen bildet jede*r Wissenschaftler*In eine solche Schnittstelle, da er*sie immer zugleich Part beider Diskurse ist.

 

Wir wachsen!

Und nun? Nun sind wir wir inzwischen sechs Akademiker*Innen, die Lust haben Anarchaeologie als Plattform zu bespielen und die uns mit ihren Meinungen und Ansichten, Inhalten und Ideen unglaublich bereichern! Die Idee unserer Philosophie ist nun nicht mehr nur Hamburg gebunden, sondern findet in ebenso in Berlin und Halle statt.

Erste neue Beiträge von unseren “Neuen” findet ihr hier.

Das Projekt ist anders geworden, als wir es vor vielen Jahren angedacht haben, aber das ist weder schlimm noch ein Misserfolg, sondern etwas unglaublich bereicherndes, an dem wir jeden Tag lernen und das uns dazu bringt uns mit Programmen und Formaten zu beschäftigen, in denen wir noch nicht ganz sicher sind.

Anarchaoelogie ist so geworden, wie wir gerne lernen, forschen und arbeiten – es ist ein ständiger Prozess, der viel Selbstkritik und -reflektion sowie Austausch erfordert.

Wer sind wir also? Ein politisches Projekt mit offenem Ende von engagierten (ex-) Studierenden, die gerne Zeit und Energie darauf anwenden bestehende Strukturen aufzuschlüsseln, Schwierigkeiten zu benennen und verschiedene Verhältnisse in der Archäologie ändern wollen.

 

Liebe Grüße,

Die Anarchäolog*Innen

 

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